Keller
Keller
Keller
Keller
Keller
Keller

Autorenarchiv : Keller

Leiche in der Kühlung

Mittwoch, 18. März 2009

Wie im letzten Tagebucheintrag erwähnt, pflegte ich vor meiner Inhaftierung meine an Lungenkrebs erkrankte Mutter. Noch bevor ich eingesperrt wurde, hielt sie eine Bescheinigung in Händen, dass sie wieder genesen sei. Doch nach den ersten Monaten im Gefängnis wurden Mamas Briefe immer merkwürdiger. Instinktiv wusste ich, der Krebs war zurückgekehrt. Meine Mutter versuchte, mich zu schonen, indem sie nicht von ihrem Los berichtete.
Noch heute bin ich heilfroh und stolz, dass meine beiden großen Söhne Initiative ergriffen und ihre Oma liebevoll umsorgten, da ich nicht dazu in der Lage war. In meiner Haftanstalt gab es kein öffentliches Telefon auf dem Gang, wie in manchen Fernsehsendungen propagiert.
Meinen ersten Anruf habe ich nach einem ganzen Jahr Gefängnis genehmigt bekommen. Es war zur Weihnachtszeit im Jahr 2006. Ich hatte meine Mutter über ein Jahr nicht mehr gehört und gesehen und wollte wenigsten frohe Festtage wünschen. Ganz tapfer sprach sie am Telefon, doch hinter ihren Worten versteckte sich die bittere Wahrheit.
Ende Januar des darauf folgenden Jahres bekam ich den Anruf, dass ich meine Mutter im Krankenhaus besuchen müsse, wenn ich sie noch einmal wiedersehen wollte. Mein Antrag auf eine Ausführung in das hiesige Krankenhaus wurde innerhalb kürzester Zeit genehmigt. Noch in der gleichen Woche durfte ich sie in Begleitung einer Beamtin im Krankenhaus besuchen.

Mutter war bis auf Haut und Knochen abgemagert

Doch ihre resoluten Wesenszüge hatte sie noch nicht verloren. Sie freute sich sehr über meinen Besuch und lobte meine Kinder in höchsten Tönen. Die Beamtin hielt sich vertrauensvoll im Hintergrund, ohne mit großem Aufsehen, z.B. durch Handschellen, meine Familie bloßzustellen. Auch ein Gespräch mit dem zuständigen Oberarzt durfte ich unter vier Augen führen. Dieser machte mir keinerlei Hoffnungen auf eine Genesung meiner Mutter. Er meinte, es sei nur eine Frage der Zeit und ich solle möglichst bald wiederkommen.
In der JVA stellte ich aufgrund der besonderen Situation gleich wieder einen Antrag auf begleitete Ausführung ins Krankenhaus. Dieser Krankenbesuch wurde mir bereits eine Woche später genehmigt. Doch nun hatte meine Mutter schon sämtliche Lebensenergie verlassen. Sie lag auf dem Krankenbett, konnte nicht mehr sprechen, ihr Atem ging rasselnd und schwer. Allein das Atmen strengte sie furchtbar an. Ich konnte nur ihre Hand halten.

Als die Vollzugsbeamtin mich fragte, ob meine Mutter überhaupt bemerken würde, dass ich bei ihr zu Besuch sei, nickte die sterbenskranke Frau. Das war das einzige Lebenszeichen, welches ich noch von ihr bekommen sollte. Am Valentinstag 2007 bekam ich die Nachricht vom Tod meiner Mutter. Es wurde mir erlaubt, diese Nacht bei einer Mitgefangenen zu verbringen. Auch der Seelsorger der JVA fragte am kommenden Tag nach meinem Befinden. Doch wie im normalen Leben musste alles seinen Weg gehen. Als einziges Kind hatte ich nun die Pflicht, einen Totenschein zu beantragen und die Wohnung, Versicherungen, Bankverbindung und so weiter zu kündigen und die Beerdigung zu organisieren.
Eine weitere Ausführung wurde mir genehmigt, um in Mutters Wohnung Einsicht in deren Papiere zu nehmen. Die Totenscheine waren innerhalb weniger Tage in der JVA angekommen. Zwar bekam ich diese nicht ausgehändigt, doch wurde mir versichert, dass meine Briefe und Kündigungen auf Wunsch in der Anlage damit bestückt würden. Ich bekam auf Antrag eine Schreibmaschine ausgehändigt und innerhalb weniger Tage konnte ich die notwendigen Kündigungen erstellen. Die Mietwohnung meiner Mutter wurde gegen Verzicht auf die Genossenschaftsanteile vermieterseitig geräumt.

Nacht für Nacht schweißgebadet

Die Beerdigung machte mir größere Probleme. Meine Anfragen bei Beerdigungsinstituten blieben erfolglos, da ich durch meine persönliche Lage und die private Insolvenz nicht zahlungsfähig war. Das Bestattungsamt weigerte sich, die Bestattung zu übernehmen, weil ich als Nachkomme von Rechts wegen dafür zuständig sei. Also benötigte ich Hilfe durch den Sozialdienst der JVA.
Etwa eine Woche nach dem Tod meiner Mutter schrieb ich einen Rapportzettel mit der Bitte um den Besuch einer Beamtin des Sozialdienstes. Wie viele Rapportzettel ich letztendlich schrieb, weiß ich nicht mehr. So vergingen mehrere Wochen. Nacht für Nacht wachte ich auf, schweißnass gebadet und hatte von Mutters Leiche in der Kühlung geträumt.
Als auf dem Weg zum Arbeitsbetrieb der JVA die Beamtin des Sozialdienstes, der wir zufällig begegneten, mich vor all meinen Mitgefangenen, fragte, ob ich schon einen Totenschein beantragt hätte. Ohne Worte… In der darauffolgenden Woche wurde ich ins Büro des JVA-Pfarrers gerufen. So wütend hatte ich ihn noch nie erlebt. Er warf den Stapel Papiere auf seinem Schreibtisch um, und rief zornig aus, dass diese Arbeit die des Sozialdienstes sei. Dass die Dame des Sozialdienstes mal eben auf Weiterbildung fahren würde, um ihn dann ihre ganze Arbeit aufzuhalsen.
Ich trug ihm meine für mich unlösbaren Sorgen vor. Auch er versuchte den Weg, telefonisch über ein Beerdigungsunternehmen und dann den Weg über das Bestattungsamt die Beerdigung zu regeln. Er erhielt die gleichen Auskünfte wie ich vorher schriftlich. Erregt rief er im Amt des Bürgermeisters an, schilderte die Situation und drohte, diesen Frevel zu veröffentlichen. Endlich war ein Stein ins Rollen gebracht…

Beerdigung zwei Monate nach dem Tod

Tags darauf hatten wir die Zusage des Bestattungsamtes, dass die Kosten für die Beerdigung getragen werden würden. Allerdings nur die einfachste Art der Bestattung. Meine Mutter konnte leider nicht im Familiengrab bestattet werden. Sie wurde verbrannt und bekam ein einfaches Holzkreuz auf ihr Grab als sie zwei Monate nach ihrem Tod endlich bestattet werden konnte. Der Pfarrer der JVA organisierte einen Gottesdienst in ihrer Pfarrgemeinde, den er selbst hielt. Auch bei der Bestattungszeremonie war er zugegen und hielt eine kleine Rede, die ich mit ihm vorbereitete.

Diesen Tagebucheintrag zu schreiben, ist mir sehr schwergefallen. Es rief mir das Geschehene wieder ins Bewusstsein zurück und damit auch die Machtlosigkeit, mit der ich damals fertig werden musste. So konnte ich meine schlimmste Zeit im Gefängnis mit euch teilen.

Die Menge Cannabis erfuhr ich vom Richter

Montag, 16. März 2009

Ich dachte nicht, dass ich einmal im Knast landen würde. Ich war eine ganz normale Mama, wie die von nebenan. Meine Ehe ging damals den Bach runter und ich musste ganz schnell eine Wohnung für meine Kinder und mich finden.Nachdem ich 15 Jahre Hausfrau und Mutter war, blieb mir nichts anderes übrig als der Weg zum Sozialamt. Dort wurde ich dann richtiggehend “verarscht”.
Erst wurden Zusagen gemacht und dann rechneten sie herum und letztendlich gingen wir leer aus. Die Aussteuerversicherung der Kinder war zu hoch, wir hätten Vermögen hieß es. Dass diese nicht zu kündigen war und erst mit dem 18. Lebensjahr der Kinder ausgezahlt werden würde, hat nicht weiter interessiert. Nur dass wir in unserem Kühlschrank gähnende Leere fanden und nur allein mit Miete und sonstigen Unkosten schon 50 Miese auf dem Konto.Mein Versuch zu arbeiten, wurde durch meine Mutter vereitelt. Ich hatte mich selbständig gemacht und mit gutem Umsatz Staubsauger verkauft. Doch als meine Mama an Lungenkrebs erkrankte, konnte ich nichts mehr verkaufen, nicht mal mehr ein einziges Stück. Ich begann, sie zu pflegen.
“Gute” Freunde halfen hier und da aus. Das brachte mich in Verlegenheit, ich fühlte mich verpflichtet und schon war ich in die Misere hineingeraten.
Ich fuhr deren Wagen mehrmals für sie oder fuhr mit. Welche horrenden Mengen Cannabis dabei transportiert wurden, erfuhr ich erst vom Richter. Auf meiner Anklageschrift stand Beihilfe zum Schmuggel von fast einer Tonne Cannabis!

Human im Vergleich zu anderen Ländern

Dienstag, 10. März 2009

Durch Fernsehsendungen, wie z. B. “Frauenknast” wird eine ganz andere Sicht des Knastlebens verbreitet. Wahrscheinlich ist es deshalb kaum zu glauben, wenn einem die Realität vor Augen geführt wird. Meine kleinen Tagebucheinträge werden euch vielleicht näher an die Wahrheit führen. Allerdings muss ich einschränken, dass ich in einem Gefängnis saß und nur das schildern kann, was ich erlebt habe. In anderen Haftanstalten mag es ganz anders zugehen.
Bei uns gab es kein öffentliches Telefon auf dem Gang. Meinen ersten Anruf habe ich nach einem ganzen Jahr Gefängnis genehmigt bekommen. Das soll in anderen Bundesländern ganz anders sein. Auch von Haftanstalten mit Ratten in den Kellerzellen habe ich gehört, von Gemeinschaftszellen mit WC im Haftraum und von Hafträumen ohne eigenen Lichtschalter. Wobei sich das alles noch ganz human anhört im Gegensatz zu der Situation in manch anderen Ländern.
Die Vollzugsbeamten sind auch nicht alle korrupt, sondern manchmal sogar freundlich, meist jedoch neutral. Die Beamtin mit dem Schaschlikspieß hatte wahrscheinlich richtige Angst bekommen, dass ich ihre Karriere ruiniere, mit meiner Beschwerde. Wie gesagt, bemerkte ich, dass sie sich danach für mich oder allgemein für die Belange der Gefangenen einsetzte.
Und wer da noch so im Gefängnis landet ist überaus interessant: Sehr viele Frauen wegen Drogendelikten und Eigentumsdelikten. Die jüngste Mitgefangene war gerade volljährig und die älteste über 80. Ausländerinnen, die sich kaum verständigen können. Alle Bevölkerungsschichten und eine Vielfalt der Delikte: Von der Mörderin bis zum Schwarzfahren alles vorhanden.
Morgen werde ich Probearbeiten. Deshalb gehe ich jetzt zu Bett. Gute Nacht!

Entwürdigende Knastschikane

Donnerstag, 05. März 2009

Nun, wie versprochen, eine fast unglaubliche Begebenheit aus meiner Haftzeit: Nach einem harten Arbeitstag im ersten Winter meiner Haftzeit, kam ich also zurück in meine Einzelzelle. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass der komplette Inhalt der Zelle Kopf stand: Zellenfilze! Bettzeug abgezogen und am Boden, Bilder meiner Kinder von der Pinnwand gerissen, Vorräte und Hygienebedarf durchwühlt und wild im Zimmer verteilt. Die extra mit Rapportschein genehmigte, zusätzliche “Pferdedecke” verschwunden. Und ein Zettel lag da, ich solle mich bei der Beamtin melden.
Nun musste ich wohl erst Mal das Chaos aufräumen, bevor ich einen Happen zu essen bekam. Ich schnaufte ein paar Mal fest durch, um meinen ärger loszuwerden, der hochkommen wollte und zog los, um bei der Beamtin vorzusprechen. Dort wurde mir erklärt, dass meine selbst auf Papier gezeichneten Yoga-übungen nun nicht mehr aufgehängt werden dürften. Geknickt akzeptiere ich diesen Wunsch und verlangte nach der zusätzlichen Decke, die mir weggenommen wurde, obwohl sie eigentlich genehmigt war. Mürrisch erklärte mir die Beamtin, dass Sie auch noch den Heizstab (zum Wassererhitzen) aus meiner Zelle entfernen könnte, wenn ich mich jetzt auch noch aufspielen würde. Ich könne die Decke bei der Beamtin der Nachtschicht erfragen.

Kuschen und frieren

Ich zog also von dannen und räumte meine Zelle wieder sauber und auf. Bei der Beamtin der Nachtschicht fragte ich, wie vereinbart, nach der Decke. Sie meinte, ich solle bei Einschluss nochmals Bescheid geben. Dies tat ich und wartete dann aber vergebens den ganzen restlichen Abend auf die Rückkehr der Beamtin mit der Zudecke.
Nach einer durchfrorenen Nacht schloss dann am Morgen genau die Beamtin die Türe auf, die mir die Decke herausgefilzt hatte. Freundlich bedankte ich mich bei ihr, weil ich die ganze Nacht frieren durfte. Sie fragte ganz unschuldig, warum ich mir die Decke nicht bei der Nachtschicht geholt hätte.
Ich ging also brav auf die Arbeit und als ich am Abend wieder auf Zelle kam, war auch der Heizstab verschwunden. Was für mich zu bedeuten hatte, dass ich während der kommenden Weihnachtsfeiertage, meinen Kaffee nur lauwarm genießen könnte. Die erbetene Decke blieb aber verschwunden. Wieder bat ich die Beamtin der Nachtschicht beim Einschluss um eine zusätzlich Decke und wieder kam keinerlei Reaktion.
Mittlerweile war ich echt stinkig. Erstens empfand ich dieses Herumfummeln in meinen persönlichen Dingen als entwürdigend. Ich hatte dazu keinen Anlass gegeben. Zweitens musste es wirklich nicht sein, dass das Bettzeug zerkrumpelt auf dem Fußboden landete und die Bilder von meinen Kindern, das Einzige was mir noch von ihnen geblieben war, auf dem feuchten Fensterbrett. Und dass, drittens, die genehmigte Decke nach zwei vollen Tagen und mindestens fünffacher Nachfrage, nicht ersetzt wurde, fand ich unter aller Sau. Also schrieb ich eine Beschwerde an den Leiter der JVA und ließ den Brief am kommenden Tag kommentarlos und offen auf meiner Pritsche liegen während ich zur Arbeit ging.

Ein zerrissener Beschwerdebrief löst das Problem

Und was nun passierte, lässt euch allen wahrscheinlich genau wie mir die Spucke wegbleiben: Als ich von der Arbeit zurückkam, stand plötzlich die besagte Beamtin im Haftraum und hielt mir die lang erwartete Decke hin. Ehrlich, ich hab mich wirklich gefreut und erst überhaupt nicht registriert, was mir widerfuhr. Sie hielt mir einen Schaschlikspieß vor die Nase und meinte dazu, den hätte sie bei meinen Schreibsachen gefunden und sie würde überlegen, ob sie Meldung machen sollte. Ich war absolut entsetzt und konnte kaum glauben, was ich da sah. Bei meinen Schreibsachen war mit absoluter Sicherheit kein Schaschlikspieß zu finden gewesen!
Nun, mir blieb nichts anderes übrig als den Beschwerdebrief zu zerreißen und offensichtlich in den Mülleimer zu legen. So ging die Angelegenheit doch noch gut aus: Der Schaschlikspieß verhinderte nicht meinen Eintrag von guter Führung während der Haft. Die besagte Beamtin verhalf mir, noch vor Weihnachten, einen eigenen Wasserkocher zu kaufen. Ab dieser Zeit behandelte sie mich mit Respekt und half mir sogar noch hin und wieder aus der Patsche.

Bewerbungsgespräch auf Englisch

Dienstag, 03. März 2009

Nun möchte ich mich erst mal bei euch entschuldigen! Hab wenig Zeit für die Tagebücher aufgebracht in den letzten Tagen. Mein 12-jähriger Sohn hatte letzte Woche Geburtstag und ist während der Faschingsferien bei mir zu Besuch. Er beansprucht meine freie Zeit voll und ganz. Doch für mich ist das natürlich wichtig und ich lebe neu auf.Aber jetzt zum gestrigen Vorstellungsgespräch. Wie schon erwähnt, stellte ich mich in einem großen Betrieb vor, der eine Vollzeitstelle in der Verwaltung inseriert hatte. Meine Vorkenntnisse und Abschlüsse entsprechen genau den ausgeschriebenen Anforderungen. Der Verdienst wäre sehr ansprechend.Zwei wirklich sehr sympathische Damen nahmen mich in Empfang und berichteten mir Entwicklung und Arbeitsweise des Unternehmens. Sie erklärten mir mein zukünftiges Arbeitsfeld und fragten mich nach meinen beruflichen Werdegang.Sehr gute Englischkenntnisse sind erforderlich für diesen Job. Deshalb sollte ich eine kleine Konversation in Englisch mit einer der beiden Damen führen. Oh je – ich war so aufgeregt, dass ich es nicht realisieren konnte, meine Hobbys zu schildern. Allerdings wäre es für mich eine echte Herausforderung, dort meine Englischkenntnisse in Wort und Schrift erweitern zu können.Nun hoffe ich, trotzdem zum zweiten Gespräch eingeladen zu werden, bei dem die Geschäftsleitung dann die Entscheidung trifft, wer die Stelle bekommt. Ich habe angeboten, auf Probe zu arbeiten und Interesse an einem Praktikum gezeigt. Die Stelle wäre eventuell erst ab 01.06.09 zu besetzen. Vielleicht auch schon vorher. Bescheid werde ich Mitte März bekommen.In der kommenden Woche werde ich wieder etwas mehr Zeit zum Schreiben finden. Da in meinem Leben gerade nichts Interessantes passiert, möchte ich die brisantesten Erlebnisse aus meiner Zeit in Haft mit euch teilen.

Bis dann…

Aussicht auf einen neuen Job!?

Freitag, 20. Februar 2009

Ihr seid bestimmt gespannt, wie die Vorstellungsgespräche gelaufen sind! Am Mittwoch war ich in einem Verlag und bewarb mich um eine Halbtagsstelle im Sekretariat. Das fühlte sich sehr gut an … aber das dachte ich schon so oft! Gefallen würde es mir sehr. Die Arbeit selbst dürfte Freude machen und die Kolleginnen scheinen zu passen. Ich bekomme nach etwa zehn Tagen Bescheid!
Heute hatte ich ein Gespräch bei einem Personaldienstleister, der jemanden für 400 Euro monatlich für die Telefonakquise sucht. Kaltaquise ist zwar nicht das, was ich mir vorgestellt hatte, doch zutrauen würde ich es mir. Von Vorteil wäre, dass ich bequem auch von zu Hause aus Arbeiten könnte. Trotzdem insgesamt zu wenig Verdienst, auch mit den beiden Jobs.
Kommende Woche bin ich wieder zum Vorstellungsgespräch bestellt. Ein Vollzeitjob, genau nach meiner Vorstellung. Doch müsste ich dann meinen bestehenden Job kündigen, was mich traurig stimmen würde. Meine Vorgesetzten dort, wissen über mich Bescheid und mögen und fördern mich sehr.
Auf dem Stellenmarkt im Internet sind im kaufmännischen Bereich innerhalb von zwei Wochen leicht 1.000 Clicks auf ein viel versprechendes Stellenangebot verzeichnet. Die Arbeitgeber werden mit Bewerbungen überhäuft. Aus diesem Grund kann ich bei den Eingangsbriefen bzw. -gesprächen natürlich nicht meine Haftstrafe erwähnen, sonst hätte ich null Chancen eine Arbeit zu bekommen.
Der Gesetzgeber verlangt das auch nicht. Es ist nur vorgeschrieben, dass es bei einer Einstellung erwähnt wird, wenn die Arbeit mit dem Vergehen zu tun hat. Z.B. dürfte ich keine Medikamente ausfahren, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen.
Ich überlege auch, in keinem großen Betrieb zu arbeiten, da mich vielleicht jemand erkennen könnte. Ich wäre erpressbar oder jemand könnte mich in der Geschäftsleitung austragen und das Vertrauen wäre gebrochen. Bittere Pillen… Doch ich habe Vertrauen … alles wird geschehen, so wie es sein soll. Nicht nach meinem, sondern nach höherem Willen!