Einleitung und Rückblende zum Webblog von Bessy B.
Der erste Gast unserer 1995 eröffneten Drogenhilfseinrichtung war südländischer Herkunft, sehr schmal, mit halblangem, schwarz glänzenden Haaren und forderndem Benehmen. Die Frau ging mit mir ins Büro und stellte sich vor: “Ich komme aus Deutschland, genau genommen aus Köln.”
Immerhin kam sie fortan öfter bis regelmäßig und hatte jede Menge provokative Tests für mich auf Lager: So war er beispielsweise der erste und letzte Gast vor Ort, der mich zwang, die mitten ins Café ragende Klotür bei laufendem Betrieb aus Angst vor einer drohenden (und aus Wut auch angekündigten) überdosis zu öffnen. Nur enthielt die Nadel im Arm nicht Heroin, sondern nichts Schlimmeres als Wasser. Aber noch während meines lautstarken Rauschmisses sah ich dieses Grinsen: “Trotz und wegen der Provokationen gemocht werden”, hieß dieses Spiel und ich hätte es fast verloren. Oder die Story mit der erst geklauten, dann aus Skrupel doch zurück gebrachten Postbotentasche, die letztlich 100 DM Finderlohn brachte…..
Im Grunde gab es 1001 Gründe Bessy rauszuschmeißen, oder zumindest aus der Betreuung zu entlassen. Aber mehr als diese 1001 Gründe wog, wer sie war, was sie tat und warum. Bessy war immer sie selbst, sie wollte gefallen und gesunden, aber auf ihre Art, nicht in einer Therapie, einem Sozialpsychiatrischen Zentrum, einer Klinik…etc. Ich kann sie nicht mehr zählen, meine unzähligen Versuche, Bessy in eine stationäre Therapie zu kriegen, sie in die Entgiftung zu fahren, ihr einen WG-Platz zu sichern, die unzähligen Psychiatriediagnosen zu verstehen, und, und, und.
Jeder Supervision zum Trotz: Bessy wollte nie das, was wir für sie wollten. Nur eins, das wollte sie wirklich: gemocht und geliebt werden, wie sie war – bis heute und auch von mir. Das alles ist mittlerweile 15 Jahre her. 15 Jahre voller Geschichte, Wandel und neuem Begreifen. Zeit also, sie selbst zu Wort kommen zu lassen …
Carmen Dargel
Kontakt- und Beratungstelle Ehrenfeld
SKM Ehrenfeld