Immer wenn ich, so wie heute, am Kölner Brauhaus Päffgen vorbeigehe, muss ich an Christa denken. Dann sehe ich auf einer bestimmten Fotografie die flächige Größe ihres noch jungen Gesichts vor mir. Die hohen, ausgeprägten Wangenknochen. Den großen Abstand zwischen Oberlippe und Nase. Hohe, runde Augenbrauen verleihen ihr einen fragenden Ausdruck. „Interessant, so knallt Heroin also?“, scheint sie zu denken und blickt über die linke, knapp bis unter das Kinn geschobene Schulter in Richtung Kamera. (weiterlesen…)
Autorenarchiv : Thorsten Bathe
All tomorrow’s parties
Mittwoch, 21. Oktober 2009So kann es bleiben
Freitag, 16. Oktober 2009
„Sie können sterben, wenn sie jetzt einfach gehen“, hatte ihm vor einigen Monaten die Ärztin im Krankenhaus gesagt. Erreichen konnte sie Theo damit nicht. Er war abends trotzdem abgehauen – unbehandelt. Und hat es überlebt. Am nächsten Morgen auf meinem Weg zur Arbeit habe ich ihn im Bahnhof getroffen. „Das ist nicht dein Ernst, oder?“, fragte ich ihn entsetzt. „Nee, das ist mein Klaus-Dieter“, antwortete er mit schmerzverzerrtem Gesicht. (weiterlesen…)
Psychologie ist nicht alles
Montag, 12. Oktober 2009
Irgendwann fangen sie immer an. Egal, ob ich gerade in der Kontakt- und Notschlafstelle Dienst habe oder auf der Straße arbeite: Konflikte. In unterschiedlicher Intensität. Von albern bis ernst zu nehmend. „Da ist ja der Wichser“, höre ich dann. „Dem müsste man mal richtig die Fresse polieren.“ Manchmal unpersönlich, hinter meinem Rücken. Die Lautstärke gerade so, dass ich das hören muss. Manchmal aber auch von vorne, lautstark ins Gesicht. (weiterlesen…)
Tatort: Bebilderte Sozialarbeiter-Klischees
Donnerstag, 08. Oktober 2009
„Hau ab du Schwein“, befiehlt die resolute Büdchenbesitzerin dem Mann mit der Weinflasche. Der denkt nicht daran. Stattdessen gleitet er von der Bank und bleibt bewegungslos in einer Pfütze liegen. “Es gibt zu viele von diesen Typen. Die machen mein Geschäft kaputt.” Aufgeheizte Stimmung gegen Wohnungslose – wie im echten Köln. Doch statt Sozialkritik liefert der neue Tatort „Platt gemacht“ lediglich ein paar bebilderte Sozialarbeiter-Klischees. (weiterlesen…)
Länger als drei Tage
Freitag, 02. Oktober 2009„Wie geht’s dir denn“, flötete mir Sylvia entgegen, als ich sie Wochen nach ihrer Haftentlassung wieder auf dem Neumarkt sehe. Das Hirn gebadet in Korn, um die Langeweile zu vergessen, die die Anstrengung mit sich bringt, das Leben zu gestalten. „Das gleiche wollte ich dich auch gerade fragen?“ „Na ja, siehste’ ja, is’ aber ok, hab’ mich mit Alk und Shore wieder gut eingeschossen“. „Und wo wohnst du jetzt?“ „Bin mal wieder on the road again. Feiern und BeWo is’ ja bäh. Bin nach der ersten Nacht nicht mehr hingegangen“. (weiterlesen…)
Aus der Pistole geschossen
Montag, 28. September 2009
Manchmal sieht man Dinge nicht oder nur undeutlich, wenn sie in der Nähe, aber jenseits der eigenen Vorstellungskraft liegen. Im Fall von Olaf glaubte ich es deutlich vor Augen zu haben: chancenlos. Mehrere Klienten der Kontakt- und Notschlafstelle durchleuchteten ihn schon mit Röntgenblicken, um ihre Abzocke an den richtigen Stellen platzieren zu können, ohne dass Olaf überhaupt ein Fünkchen davon auf dem Schirm zu haben schien. Er stand einfach nur da, schüchtern, aber das Suchende ins unschuldige Gesicht geschrieben. (weiterlesen…)


