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Mit ‘respekt’ getaggte Artikel

Hartz 4 gibt es nicht auf Probe

Montag, 21. September 2009

Geld (c) SozialheldenEinen Monat lang aus dem gesicherten Bürgertum aussteigen und so leben wie ein Hartz-4-Empfänger. Raul und Lisa von den Sozialhelden haben das probiert. Am Ende müssen sie eingestehen: Das Experiment war unrealistisch. Das klingt wie eine Entschuldigung und ist auch eine. Doch sie ist nicht notwendig. (weiterlesen…)

Schöne Dinge gegen den Hartz-IV-Frust

Mittwoch, 15. Juli 2009

Guten Tag, da bin ich wieder. Irgendwie komme ich nicht umhin, noch mal über meine verflossene Beziehung zur Anne zu schreiben, zumal ich ihr versprochen habe, mich diesen Samstag ein letztes Mal, von ihr zu einem Tag in Brüssel einladen zu lassen. Ihr zuliebe. Vor allem spüre ich dann, wie angenehm Hartz 4 mit dem “Privileg” Familienrückhalt sein kann. Und um wie viel entspannter, gelöster, sorgenloser und somit auch viel freier sie den Tag genießen kann.

Anne sagte zu mir: “Wenn ich den Hartz-4-Frust nicht durch schöne Dinge wie, Essen gehen, Kaffee trinken gehen, schöne Sachen einkaufen, mal ein paar Tage wegfahren und auch mal ins Kabarett zu gehen, kompensieren könnte, würde es mir auch schlechter gehen.” Na ja und genau das ist es, was uns ungleich werden lässt, wodurch das Gemeinsame verloren geht. Ich wünsche uns, dass ich mich an diesem Tag nicht von meinen Aggressionen gegen diese Ungerechtigkeit übermannen lasse.

Hoch die Tassen am Vatertag

Freitag, 22. Mai 2009

©  Sebastian Corneanu - Fotolia.comAm Feiertag war ein Ausritt geplant. Ich war für die Versorgung der Reiter vorgesehen. An unserem Treffpunkt führte mein Weg durch große Menschenmengen, die sich an diesem beliebten Ausflugziel aufhielten. Meine Reiter waren schon auf dem Rückweg und so hatte ich Zeit, mich im Sinne meines trockenen Lebens noch ein bisschen umzusehen. Ich war erschrocken über die Vielzahl betrunkener Frauen. War denn heute nicht Vatertag? Herrentag? Und überhaupt: Himmelfahrt?

Die Gruppen der Jugendlichen feierten irgendwie “wer grillt am lautesten”, die Radfahrergruppen mussten immer irgendwelche Kommentare austauschen die man wahrscheinlich noch im nächsten Dorf hören konnte, und dann diese Menge von Frauen die da lallend umhertanzten und wildfremde Menschen in ihren Tanz einbeziehen wollten. Oder sie saßen an langen Tischen und prosteten sich lautstark zu, als würden sie zeigen wollen, dass sie das mindestens so gut könnten wie ihre Männer.

Mir wird schnell klar, dass es immer schon so gewesen ist. Früher habe ich nichts davon mitbekommen, heute scheint es eine verdrehte Welt. Dabei hat sich das meiste wohl in mir gedreht. Ich bin – glaube ich – zu sehr Eisblume, als dass ich im Mai mittanzen wollte.

Schmunzelnd zog ich von dannen, schweigend und ein wenig neidisch!
Liebe Grüße

Lutz

Wir sind nicht der Abschaum der Gesellschaft

Freitag, 08. Mai 2009

Hallo ihr Lieben da draußen, habe lange nicht geschrieben. Weiß gar nicht, wo ich ansetzen soll. Also einen Tag nach der Konfirmation habe ich von einer Bekleidungskette Gutscheine geschenkt bekommen, man kann sich gar nicht vorstellen, wie wir uns gefreut haben – besonders die Kleinen haben sich tierisch darüber gefreut. Sollte zwar ein Geschenk zur Konfirmation sein, aber als der Brief erst danach ankam, konnten wir uns neue Sommersachen usw. anschaffen. Ich danke meinen Engeln und Gott dafür und besonders diese nette Firma.

In unserer Tageszeitung wird diese Webseite mit den Tagebüchern vorgestellt und ich durfte mein Leben schildern, bin gespannt wie dieser Artikel wird. Ich kann mich immer nur wiederholen: Seid nicht still, sagt eure Meinung und kämpft für euch, für andere und für einen gerechteren Staat. Wir, die am Rande der Gesellschaft leben, sind kein Abschaum! Und auch wenn viele Politiker es gerne anders hätten: Wir können denken!

Gerade war mein Arzt bei mir und ich habe wieder eine Eisenspritze bekommen, meine Werte sind im Keller. Deshalb fühle ich mich an manchen Tagen auch so kaputt, dass ich das Gefühl habe, mir saugt jemand meine Kraft, mein Leben aus. Die Gespräche mit ihm sind sehr inspirierend und geben mir zusätzlichen Mut weiter zu machen. Habe schon einen tollen Doc …

Bei uns ist dieses Wochenende Kirmes, aber ohne Moos nichts los. Nur der Kleinste geht dort hin, denn bei uns gibt es Bummelpässe, das sind Pässe wo es Vergünstigungen gibt. So, ich wünsche allen ein superschönes Wochenende.

Kein Punkt für den letzten Eintrag

Freitag, 01. Mai 2009

Der erste Mai, mein Lieblingstag. Gerade habe ich in die Webtagebücher gesehen und gehofft, eine Bewertung zu meinem letzten Eintrag zu finden. Keiner da, schade. Für diesen letzten Eintrag gebe ich mir selber fünf Punkte. Ich habe da etwas beschrieben, das mich tief berührt. Etwas, dem ich in diesen paar Zeilen kaum Raum geben konnte, und das eigentlich nach einem Ausdruck in Form eines Gedichtes verlangt.

Was verdient Aufmerksamkeit, was ist banal?
Ungerührt im tobenden Chaos zu stehen, zäh einer ausweglosen Agonie trotzen, einsam einen Kampf führen, alles sehr bemerkenswert. Begleitend zur ersten Intifada 1987 in Palästina, gab es Bemühungen der Palästinenser zu eindeutig positiven Entwicklungen. Schul- und Gesundheitswesen wurden auf- und ausgebaut. Frauenrechte wurden diskutiert. Israelisch-palästinensische Gruppen bildeten sich, um übergreifende Lösungen zu suchen. Diese Bemühungen fanden international wenig Beachtung. Pflanzen, die nicht gegossen werden, verdorren leicht.

In der Mühle gibt es eine Führung für Kinder zu dem Thema “Der Frühling erwacht”. Den Kindern stellen wir die Frage, woran sie es jetzt und hier erkennen, dass es Frühling wird. Sie stehen dann manchmal, bei bewölktem Himmel und Regen, lange ratlos herum um dann zu antworten: “Ich merke es am Sonnenschein, die Sonne kommt wieder.” Die eigene Empfindung steht im Hintergrund. Sie forschen nach, welche Antwort ein Lehrer wohl hören will. Gelernt ist gelernt. Aufmerksamkeit verdient, was Aussicht auf Popularität hat.

Gut, gerecht, bescheiden, geduldig - alles Attribute, die Gefahr laufen, in der allgemeinen Konkurrenz der Aufmerksamkeit, die Bewertung am Thema vorbei zu erhalten. Frauen bleiben da meist unbefangener. Bei Männern verdichtet sich die Erkenntnis, es geht nicht ums Mitteilen, nicht ums Empfinden – Bullshit – es geht ums Durchsetzen. Ich habe mich zu früh – bereits als Kind – mit dieser Sichtweise im Leben verheddert. Ein starkes Motiv dann als Teenie zu denken; “Alles Scheiße, alles Dreck. Eine Bombe, alles weg.” Wahrscheinlich war meine Entscheidung Drogen zu nehmen, aus Sicht der Gesellschaft die bessere Alternative.

Heute bin ich sehr froh darüber, dass es mir auch gelingt zu denken: “Is mir doch scheißegal”, bevor ich mich erneut in hoffnungslose Wünsche verheddere. Aber gut finde ich das nicht. Gut finde ich es, wie ich im letzen Eintrag geschrieben habe, an etwas zu glauben. Daran zu glauben, diese Missverhältnisse sind äußere Hülle. Es gibt Wege und Entwicklungen. Und diese Wege und Entwicklungen führen uns zu dem, was wir sind. Menschen mit Empfindungen – und damit alle gleich.

Kein Punkt für den letzten Eintrag. Ich stolpere über meine eigene Eitelkeit. Dieses Tagebuch ist gut für mich, auch wenn keiner es lesen würde. Es gibt Leute, die ich in diesen Einträgen ansprechen kann. So what? Der erste Mai, ich werde den Tag heute genießen.

1000-fache Frühjahrsgedanken

Montag, 30. März 2009

Nach der Arbeit in der Gärtnerei entschließe ich mich doch nach Hause zu gehen und einen Ruhigen zu machen, bis zur 17 Uhr Veranstaltung heute. Es gibt vorgekochtes Hühnerbein mit Reis, dann ein kurzes Schläfchen.
Nun sitze ich hier, höre Radio MDR Figaro, meinen Lieblingssender, und schreibe. In den Nachrichten Schauerliches wie z. B. Amokläufe, sonst Krise und anderes. Ja, eine Welt im Umbruch. Müssen wir nicht viel sparsamer mit unseren Naturressourcen umgehen, ein neues Bewusstsein entwickeln? Fragen über Fragen. Es gibt Prophezeiungen, dass eines Tages Kriege geführt werden um Trinkwasser und daseinswichtige Dinge.
Meine Gedanken zum Frühjahr schreibe ich an Freunde. Im Januar und Februar habe ich 1040 Kopien zweier Gedichte auf Karton mit zur Straßenzeitung verschenkt. Es ist wichtig auf Elementares hinzuweisen, auf Eigentliches. Diese Aktion habe ich über den Verkauf der Straßenzeitung finanziert. Von Elli Michler “Ich wünsche dir Zeit” und von Peter Bossegger “Wünsche zum neuen Jahr”. Beides ganz aktuell. Wie heißt es bei Letzteren:

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit.
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid.
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass.
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was.

Grüße von Suse L. aus Jena