Als ich das letzte Mal aus der Selbsthilfegruppe kam, ging mir die Frage durch den Kopf, wie es mir wohl ohne die Selbsthilfe ginge. Ein Gedanke, der in mir ein flaues Gefühl auslöst. Spontan habe ich gesagt, dass die Wahrscheinlichkeit bei 30 Prozent liegt, ohne die Gruppe wieder auf der Nase zu liegen. Aber das passt glaube ich nicht. (weiterlesen…)
Mit ‘rückfall’ getaggte Artikel
Besser vor dem Hindernis lenken
Montag, 12. Oktober 2009Klare Regeln statt endloser Einzelfallentscheidungen
Sonntag, 30. August 2009Diesen Eintrag schreibe ich um auf den Kommentar von Michael einzugehen. Vielleicht ist es nicht deutlich, aber der vorige Eintrag ist nicht ironisch gemeint. Diese Regel wurde in der Anfangsphase der Gruppe formuliert und ich habe an ihr mitgewirkt. Sie dient dem Schutz der Gruppe. Deshalb habe auch ich für meinen zeitlich befristeten Ausschluss aus der Selbsthilfegruppe gestimmt. (weiterlesen…)
Ich bin raus aus der Gruppe
Donnerstag, 27. August 2009Manche Entscheidungen haben etwas Merkwürdiges. Wir haben in der Gruppe noch mal über meinen Eisbecher gesprochen. Über den Eisbecher und unsere Regel des Gruppenausschlusses nach einem Rückfall. Für den Betroffenen ist eine solche Regel nicht gerade hilfreich. Eine Therapeutin, die ich zu dieser Regel einmal befragt habe sagte, diese Regel sei ganz einfach Schwachsinn. Und doch gilt sie jetzt auch für mich.
(weiterlesen…)
Finanzkrise als Anlass für Völkersuff?
Freitag, 10. Juli 2009Wenn ein Rückfall zum Tabuthema in der Familie wird, kann es schon mal ernste Probleme geben. Gesundheitlicher Art allemal. Da steht dann der Körper des Betroffenen im teuflischen Sog auf der Kippe zwischen Leben und Tod.
Mich hat die Geschichte einiger Rückfälle stets berührt. Ich spürte die Machtlosigkeit meiner selbst, und die des Betroffenen. Diese “Einwortfrage” im ersten nüchternen Blick zurück auf den Rückfall, dieses WARUM? – sucht hilfeschreiend nach Antworten – und bekommt sie nicht. Jedenfalls nicht von mir.
Genau dieses WARUM? steht für mich wie ein Mahnmal vor der Lust sich in Spekulationen zu verzetteln. Möglicherweise um den nächsten Rückfall schon zu programmieren, indem schnelle Antworten zu flüchtigen Entschuldigungen führen. Ich mache in der Gruppe an der Stelle einen Schnitt. Sorgfältig und konsequent. Neu beleuchten können wir den Weg, der vor uns liegt, damit unsere kleinen und festen Schritte nicht ins Stolpern geraten.
Oft müssen Krisen herhalten als Grund für den Rückfall. Dabei sind Krisen zur Bewältigung und Stärkung eine gute Chance für ein besseres Leben des Lebens. Stell Dir vor, die Finanzkrise wäre Anlass für Völkersuff! Obwohl, wenn ich so in die Medien blicke …!
liebe Grüße
Lutz
Ich will nie wieder abstürzen
Dienstag, 07. Juli 2009
Hallo an euch da draußen. Der Sommer ist da, die Ferien sind angekommen, wir genießen es. Nach meinem Unfall geht es mir langsam besser, vier Wochen ging es mir sehr schlecht. Mein Doc hat die Dosis vom Morphium ein wenig runtergesetzt. Jetzt habe ich Schmerzen und gleichzeitig ein Gift in meinem Körper. Tja, wäre schön, wenn man zaubern könnte, aber wir sind ja nicht bei “Wünsch dir was”. Leider sieht das reelle Leben komplett anders aus.
Ich habe nachdem ich mich zurückgezogen habe, lange Zeit gehabt zu überlegen, wie ich da wieder rauskomme. Mutig habe ich mich durchs Telefonbuch gekämpft und habe jemanden gefunden von der autonomen Frauenberatung. Eine tolle Frau, mit der ich reden kann und die mir hilft meine Träume zu verarbeiten.
Hatte schon zwei Sitzungen, seit dem geht es mir schon ein wenig besser. Ich glaube, ich muss noch viel lernen. Vor einigen Jahren hatte ich gedacht, nie wieder eine Therapie machen zu müssen, aber mit meiner Vergangenheit geht es nicht anders. Denn ich möchte nie wieder abstürzen und stark sein. Vor einer Woche rief mich eine frühere Klassenkameradin an, die meine Berichte in der Zeitung und hier auf dieser Seite gelesen hat. Sie möchte mir gerne in einigen Dingen helfen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich gefreut habe. Nicht weil sie mir behilflich ist, sondern einfach nur, weil ich mich so gefreut habe, wieder Kontakt mit ihr zu haben. Mein Umfeld hat sich in den letzten Jahren immer mehr verändert und das ist gut so, denn früher waren da fast nur Leute, die selber abhängig waren.
Seit letzter Woche habe ich mein Bürokram erledigt, selbst meine Rechnungen sind fast alle bezahlt, aber ich weiß jetzt schon, dass ich nur noch für zwei Wochen Haushaltsgeld habe. Im Moment versuche ich nicht in Panik zu verfallen oder mich wieder zurück zu ziehen. Wo ich gar nicht klarkomme ist, dass die Kids nicht viel unternehmen können, weil dafür kein Geld da ist!
Letzten Mittwoch haben ich und Momae, seinen Bruder zur Nordsee gefahren, er hatte eine Eignungsprüfung zum Informatiker. Diesen Test hat die Arge angefordert, in der Hoffnung, dass sie die Umschulung nicht bezahlen brauchen. Aber “oh Wunder ”
Er hat bestanden. Ich bin so stolz auf ihn, aber geschafft hat er es immer noch nicht. Jetzt fehlt der Behörde noch ein Augentest… Mal sehen, wie lange die das noch heraus ziehen. Für diese Umschulung kämpft er schon ein Jahr, denn seinen Beruf darf er nach der Lehre, aus gesundheitlichen Gründen, nicht mehr ausführen. Von wegen, in Deutschland wird man gefördert! Der Tag an der Nordsee war zwar stressig und mein Rücken hat sehr geschmerzt, aber ich habe ihn genossen. Ich liebe die Nordsee fast so wie die Niederlande.
So, ich wünsche euch eine tolle Ferienwoche liebe Grüße Sigrid.
Muss man sich für Rückfälle schämen?
Sonntag, 05. Juli 2009Jemand aus der Gruppe schickte mir heute eine SMS. Er hat wohl einen Rückfall (Alkohol) gehabt, wollte es mir aber erstmal nur per SMS mitteilen. Um darüber zu sprechen würde er sich im Augenblick noch zu sehr schämen. Schade, ich hoffe er meldet sich bald. Schämen. Ich denke an meine Rückfälle. Habe ich mich geschämt?
Angesichts der Konsequenzen habe ich mich oft sehr schlecht gefühlt. Mir gewünscht ein anderer zu sein, jemand, der diese Zerrissenheit nicht kennt. Zerrissen sein zwischen dem, was man verspricht, was man sein möchte und der Sucht.
Irgendwann habe ich aufgegeben. “Ich bin halt ein scheiß Junkie, es ist einfach so, tut mir leid. Klar bin ich bemüht den Minimal-Ansprüchen zu genügen. Klar versuche ich so zu leben, dass ich das, was ich sage, auch tue. Klar bemühe ich mich darum auch ernst genommen zu werden. Aber versprechen werde ich keinem etwas.” Gute Voraussetzungen für Veränderungen. Glück gehabt.
Leider sind es meist eine Reihe von Abhängigkeiten, in denen man sich befindet. Beziehungen, Kontakte, materielle Abhängigkeiten. Und die Abhängigkeit von der Rolle, die man sich selbst schreibt. Angst haben allein zu sein, Angst vor Ablehnung und dann noch die Angst auf der Straße zu sitzen.
Wenn man im “normalen” Leben, also mit Arbeit, Familie, Auto, ein Suchtproblem hat, ist die Rolle, die man sich auferlegt eigentlich nie erfüllbar. Ist man dann offensichtlich aus dieser Rolle rausgefallen stellt eigentlich kein nüchtern denkender Mensch mehr Ansprüche. Schämen? Zu dem zu stehen, was man ist und will,…. unverschämt?

