Der Beitrag “Hartz 4 gibt es nicht auf Probe” gefällt mir sehr gut und ich würde mir wünschen öfter von solchen Versuchen zu hören. Auch die Wertung der Redaktion von Mitten am Rand zum Experiment der Sozialhelden ist stimmig. Hartz 4 zu beziehen ist nicht in einem Monat simulierbar. Dazu ein Beispiel, wie ich es erlebt habe. Dummerweise fiel das in die Zeit meiner Psychose, was die Sache nicht gerade leister machte. (weiterlesen…)
Mit ‘psychiatrie’ getaggte Artikel
Abenteuerland Hartz 4
Donnerstag, 24. September 2009Videos aus einer anderen Welt
Montag, 07. September 200903.09. :
Ich blättere in meinen Gedanken wie in einem langweiligen Buch. Diese Woche? Letzte? Einige Bilder laufen vor meinem inneren Auge ab. Kurze Spots. Ich zappe in meinen Erinnerungen und finde gerade nichts Bemerkenswertes. Doch dann erinnere ich mich an einen Silvesterabend vor vielen Jahren. (weiterlesen…)
Erinnerungen an die Psychiatrie 2
Freitag, 28. August 2009
Damals 1989, also noch vor der Wende, war mein Aufenthalt in der Jenaer Psychiatrie doch sehr von den schlimmen Nebenwirkungen von Halloperidol und anderen Medikamenten geprägt. Ich hatte eine schlimme Unruhe in den Beinen, war total verkrampft und ruhig gestellt. Eine unheimliche Schwere und ein eingegipstes Gehirn waren die gefühlten Folgen. Mechanische Bewegungen, starrer Blick und Muskelsteifheit – kurzum mir ging es total schlecht. (weiterlesen…)
Erinnerungen an die Psychiatrie 1
Mittwoch, 26. August 2009Heute Mittag habe ich noch ein wenig sauber gemacht in der Gärtnerei. Ganz in Gedanken versunken habe ich meine Bahnen gezogen im Büro und woanders. Ich habe über die Psychiatrie nachgedacht, in der ich nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe. 1989 war ich nach meinem ersten Nervenzusammenbruch dorthin gekommen. Es war für mich ein sehr ungastlicher Ort. (weiterlesen…)
Zwischen Psychiatrie und Harmonie
Sonntag, 26. Juli 2009Wieder einmal Sonntag, wettermäßig mal Regen und Sonnenschein. Meine Mutter hat eingeladen zum gemütlichen Plausch bei Wein und selbstgebackenen Quarktaschen. Ich freue mich über die ungezwungene Atmosphäre der Unterhaltung. Die Eltern berichten von ihrem Urlaub im Schwangau und wir von der Reise auf die Insel Usedom. Schön, wenn Harmonie waltet zwischen Eltern und Kindern. War es doch nicht immer so.
Ohne Restwärme kein Überleben
Mittwoch, 01. April 2009
In den Webtagebüchern habe ich gerade den aktuellen Eintrag von Frau Dr. Maria Goetzens gelesen. Upps, ich habe die Webseite noch auf und es macht pling “your raiting has been registrated”, und fünf Sterne erscheinen. War mir bisher noch nicht klar wie man Bewertungen abgibt. Glücklicherweise sind fünf Sterne aber auch die Bewertung, die ich bewusst gewählt hätte.
Der Eintrag spricht mich sehr an, mit diesem Thema habe ich meine eigenen Erfahrungen. Und es sind keine guten. Der Eintrag geht mir sogar richtig unter die Haut. Mir hat da in der Zeit, in der ich eine Psychose hatte, sehr wenig geholfen. Als letzten Kontakt zur Welt hatte ich eigentlich nur Micha und seine Freundin. Geholfen hat mir auch ein Pfleger, zu dem ich einen guten Zugang hatte, der mir ganz einfach menschlich begegnet ist.
Haldol ist wie drei Promille ohne Brechreiz
Sonst war da nicht mehr viel. Nach einem Psychiatrieaufenthalt hat mir ein Neurologe ein Rezept ausgestellt, er hat mich noch nicht einmal gesehen, der Entlassungsschein hat ihm genügt. Haldol. Ich habe das Rezept gesehen und konnte es nicht fassen. Der Sprechstundenhilfe sagte ich, dass ich damit schon mal einen Selbstversuch gemacht hätte und ich mir nichts Schlimmeres vorstellen könnte. Die Medikamente haben sich ja doch verbessert, ich brauchte mir da keine Sorgen machen. Ich wusste, dass sich die Medikamente verbessert haben und ich war auf einem solchen verbesserten Medikament eingestellt. Ganz ohne Medis komme ich nicht zurecht, wusste ich, aber Haldol ist Haldol, wie Aspirin eben Aspirin ist.
Haldol ist wie drei Promille ohne Brechreiz, wie Emotion zum Sezieren in Formalin eingelegt. Wie Seele, die erlebt aber gefesselt ist. Ein Bewusstsein, das bemerkt, dass die Zunge angeschwollen aus dem Mund hängt und sabbert und eine Motivation, die gerade noch dazu ausreicht aufs Klo zu gehen.
Chemischer stereotaktischer Eingriff (siehe: Einer flog übers Kuckucksnest). über Heilung habe ich mir früher schon oft Gedanken gemacht. Was macht Heilung aus, welche Faktoren gibt es da und warum kann ein Placebo oder ein Schamane manchmal besser helfen als klassische Medizin?
Die Umwelt heilt mit – wenn sie es kann
Körper, Geist, Seele? Es gibt einen eigenen Willen, den es braucht um geheilt zu werden. Es gibt Mittel, die meinen Körper beeinflussen (Obst, Wohnung und manchmal Medikamente). Und es gibt eine Umwelt, die an einer Heilung beteiligt ist. Ein Schamane setzt sich mit dem Kranken sehr persönlich, menschlich auseinander. Er bringt manchmal eine ganze Dorfgemeinschaft dazu Anteil zu nehmen und als Mittel kann dann auch ein Hokus Pokus ausreichen, einen Placebo-Effekt auslösen.
Wir haben klinisch belegt wirksame Mittel und der Rest ist Kostenfaktor. Es gibt viele, die nur noch wenige Funken menschlicher Wärme in ihrem Leben bekommen. Das Lächeln einer Verkäuferin beim Brötchenkaufen, oder eine Apothekerin, der man anmerkt, dass sie etwas verwirrt und betroffen ist, wenn sie merkt, dass es nicht 10mg sondern 100mg Tabletten sind, die auf dem Rezept stehen.
Ich glaube, diese Restwärme ist überlebenswichtig. Und ich glaube, es ist hilfreich die Dinge die quälen zu überwinden, auf sie einzugehen und sie zu bearbeiten. Psychopharmaka ist pure Leidenskonservierung (meine ungefilterte Meinung). Sicher, sie kann davor bewahren sich nicht aufzuhängen, aber wenn ich mir ein Leben mit Haldol vorstelle, würde ich das als Fehler betrachten. In den Einträgen von Frau Goetzens finde ich viel von dieser Wärme, die für mich mal überlebenswichtig war. Dafür ganz dicke fünf Punkte.

