03.09. :
Ich blättere in meinen Gedanken wie in einem langweiligen Buch. Diese Woche? Letzte? Einige Bilder laufen vor meinem inneren Auge ab. Kurze Spots. Ich zappe in meinen Erinnerungen und finde gerade nichts Bemerkenswertes. Doch dann erinnere ich mich an einen Silvesterabend vor vielen Jahren. (weiterlesen…)
Mit ‘langeweile’ getaggte Artikel
Videos aus einer anderen Welt
Montag, 07. September 2009Unterwegs durchs Laubmassiv
Freitag, 22. Mai 2009
Straßen gestochen in Arme und Beine
das Fleisch durchlöchert,
der Leib eine Kalligraphie der Verzweiflung.
In den Augen ein Flimmern
plötzlich finster im Abteil,
die Euphorie rauscht in den dunklen Wald.
Unterwegs durchs Laubmassiv
werden Seelensiedlungen berührt,
verlorene Boten von innen
nach außen gestellt.
Rebellion des eigenen Geistes,
im Gesicht steht Aufbruch
verknüpft mit dem Schneckenhaus
aus dem nun schmerzende Kälte grimmt.
Es droht ein Leben, genormt und bürgerlich
ohne Geheimnis am Grunde der Tasse
und nur mit Zeit zu bezahlen.
Ein anderer Himmel, zum Leben zu hoch
und zum Sterben zu blau,
was denn nun: Leben oder Sterben?
Kein Beamter aus Dionysos’ Truppe
fürs erste mehr in Sicht,
die Requisiten des trügerischen Glücks
sind zusammengekehrt und verschwunden.
Es regnet Unwohlsein und Langeweile,
ein Variantenspiel mit geordneten Tagen,
das Herz ein matschiges Feld
voller wilder, plündernder Sehnsucht.
Die Kloschüssel als Spiegel der Unsterblichkeit
Freitag, 10. April 2009Mir ist langweilig. Blödes Rumgehänge, blöde Grippe. Die Gliederschmerzen sind weg, aber Kopfschmerzen habe ich immer noch. Vielleicht kommen die inzwischen schon vom blöden Rumhängen. überhaupt war das ne komische Krankheit. Husten, verstopfte Nase – fast gar nicht. Eigentlich halb so wild, aber ab und zu hatte ich das Gefühl, gleich kippe ich aus den Latschen.
Das Gefühl kenne ich sehr gut. Früher hatte ich das oft, dass ich unterzuckerte. Da kommt der Motor ins Stottern. Wenn man es kennt, weiß man dann auch, was zu tun ist. Traubenzucker, Cola, irgendwas, und ganz schnell, sonst kippt man tatsächlich aus den Latschen. Einmal ist es mir passiert, dass mir dieses Wissen sehr geholfen hat. Drei Tage lang hatte ich super Material. Alle Organe liefen da seit einiger Zeit auf Notstrom.
Ich wachte am dritten Tag auf und merkte, da geht gar nichts mehr. Ich überlegte, und mir fiel auf, dass ich schon seit mehr als 24 Stunden nicht mehr gepinkelt hatte. Trinken hat dann zwar auch nicht wirklich geklappt, aber eine minimale Nierentätigkeit wird es wohl gegeben haben. Tee, Wasser, Cola – alles zwecklos. In weniger als einer Minute hängt man über der Kloschüssel. Man wird da zum Spezialisten und findet heraus, was geht und was nicht. Das Einzige was ich in der Regel drin behielt, war Gatorade. Und mit Weingummi konnte ich meine Magenschleimhäute auch etwas besänftigen. Hatte ich in der Situation aber nicht und mir blieb mal wieder nicht viel Zeit. Dann hatte ich einen rettenden Geistesblitz. Eis! Der Kiosk um die Ecke. Ich schleppte mich dort hin und kaufte mir eine Packung Vanilleeis. Die Kälte beruhigt die Magenschleimhäute ja auch und es ist genug Zucker drin. Es hat geklappt, der Motor lief stotternd wieder an und zehn Minuten später saß ich auf dem Klo.
Okay, dann kann’s ja weitergehen, endlich konnte ich mich darum kümmern nachzulegen. Mein Magen hat sich nie wirklich auf Opiate eingestellt. Ab einer gewissen Dosis war es immer so weit. Doch die erreichte ich mit dem, was es normalerweise so gab, selten. Und wenn ich sie erreicht hatte, hatte ich immer noch nicht genug. Ich pendelte oft zwischen Toilette, Gatorade und meinem Besteck. Auf den Toiletten, von einem sich heftig zusammenkrampfenden Magen geschüttelt, das Rauschen des Pulses in den Ohren, und in dieser Situation völlig von Sinnfragen befreit. Das Weiß der Kloschüssel flimmert, wird tief wie ein Sternenhimmel. Wie von einem anderen Stern auf sich selbst blickend steht man neben sich, und ist von Ruhe umgeben. Zuckender Magen, verzweifelte Gedankenfetzen des Willens, treten in die Ferne. Nur noch umgeben vom Rauschen des Blutes blickt man in den Spiegel der Unsterblichkeit im Boden einer Kloschüssel.
Von der haltlosen Vergangenheit in die Midlifecrisis?
Sonntag, 08. März 2009Schreiben? Was soll ich noch schreiben? Heute war ich bei der Jahresversammlung der Niedersächsischen Mühlen Vereinigung. Von so was habe ich immer schon geträumt. Mein Jahresbedarf ist gedeckt was das Vereinswesen angeht.
Ich frage mich wirklich, ob ich hier noch etwas beitragen kann. Was jetzt ansteht, ist sozusagen ein stinknormales Leben. Da stehen keine Kämpfe an, kein überleben ohne Geld und Bleibe, kein Durchsetzen in einer latent gewalttätigen Szene, keine Suchtdruck-Selbstzerfleischung. Jetzt steht durchhalten an. Mühle kommt von mola (Mehl-Mühlstein), die Molaren sind zum Durchkauen. Durchkauen, durchstehen, es gibt nichts Langweiligeres. Wie geht es jetzt weiter, werde ich von meiner haltlosen Vergangenheit seicht in die Midlifecrisis hinüber plätschern?
Wo habe ich meine ganzen Energien gelassen? Vor gut zwanzig Jahren habe ich mal mit einem Freund überlegt einen Einbruch zu machen. Etwas mit Alarmanlage und vielen Schlössern, Geld wollten wir keines, nur eben die Herausforderung. Er ging dann für ein Jahr ins Ausland und so hatte sich das dann zerschlagen.
Heute denke ich nicht mehr an so was. Man ist ja erwachsen, vernünftig, und langweilig? Ich schreibe das hier ganz ungefiltert und finde so etwas auch gar nicht so ungewöhnlich. Früher bin ich sehr oft getrampt und habe einige Leute getroffen, die es mir erzählten, sie seien mit 180 km/h aus kleinen Seitenstraßen über Bundesstrassen gebrettert. Solche Sachen fand ich schon immer ziemlich daneben, aber es gibt viele die nicht wissen wohin mit der …? Und jetzt stehe ich einen Schritt vorm Briefmarkensammeln. Midlifecrisis? Seicht hineinschlittern? Ich glaub da bin ich voll drin, hatte aber bisher nicht die Gelegenheit es wahrzunehmen.

