Thorsten Bathe
Thorsten Bathe
Thorsten Bathe
Thorsten Bathe
Rainer S.
MuseSuse

Mit ‘kunst’ getaggte Artikel

Glamour, Elend, Glücksgefühle

Mittwoch, 02. Dezember 2009

Hollywood im RauschIm Vorfeld hatte ich überlegt, ob ich mir das antun soll: Kunst zum Thema Rausch, Drogen und Sucht. Das alles bekomme ich doch jeden Tag auf dem Kölner Neumarkt zu sehen. Zwar nicht sorgfältig kuratiert, aber mindestens so eindrucksvoll. Und dann auch noch die weite Fahrt nach Dresden. Dort wurde eine Ausstellung gezeigt, die sich dem Umgang mit Rauschgiften in der Gegenwartskunst widmete. Meine Skepsis verflog schnell. (weiterlesen…)

Man kann ja nicht alles wissen

Dienstag, 24. November 2009

Heute habe ich Sybille auf einen Kaffee eingeladen. Wir hatten uns eine Ewigkeit nicht mehr gesehen. „Die meisten Menschen brauchen sehr lange, um jung zu werden“, liest sie mir aus der Zeitung vor und sieht mich fragend an: „Weißt du, von wem das ist?“ „Du kennst mich doch“, antworte ich, „wie immer keine Ahnung“. „Das wusste ich allerdings nicht, dass der Herr Sozialarbeiter so ein Kunstbanause ist. Dieses Bonmot hat sich Pinsel-Titan Picasso ausgedacht“. (weiterlesen…)

All tomorrow’s parties

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Das Heroin vergaß sie nieImmer wenn ich, so wie heute, am Kölner Brauhaus Päffgen vorbeigehe, muss ich an Christa denken. Dann sehe ich auf einer bestimmten Fotografie die flächige Größe ihres noch jungen Gesichts vor mir. Die hohen, ausgeprägten Wangenknochen. Den großen Abstand zwischen Oberlippe und Nase. Hohe, runde Augenbrauen verleihen ihr einen fragenden Ausdruck. „Interessant, so knallt Heroin also?“, scheint sie zu denken und blickt über die linke, knapp bis unter das Kinn geschobene Schulter in Richtung Kamera. (weiterlesen…)

Ein Engel mit gebrochenen Flügeln

Freitag, 24. Juli 2009

Diese Trompete lässt mich aufhorchen. Einen Moment lang glaube ich, dass der Geist Chet Bakers in den Körper des Musikers geschlüpft sein muss, der gerade in der Kölner Fußgängerzone spielt. Ich bin mir sicher, dass ich Chets einmaligen Sound höre: ansatzlos und schwebend. Die Trompete muss aus dunklem Samt sein. “Is klar, und das Ozonloch ist eine Vorbereitung auf die Wiederkehr von Jesus Christus”, ermahne ich mich zur Vernunft.

Doch die Klänge lassen mich nicht los. Ich treffe zwar Tina beim Schnorren und unterhalte mich ein bisschen mit ihr. Doch vor mir sehe ich Chet Baker im Dortmunder Jazzclub Domizil, spüre wieder die Aufregung. Wie hatte ich diesen Abend 1987 herbeigesehnt. Obwohl ich zu der Zeit besonders den Gitarrenkrach amerikanischer SST-Bands schätzte, hat mich der lyrische Jazz von Chet auch immer begeistert. Und vor allem seine Lebensgeschichte.

Chet Baker war gut aussehend und talentiert, aber auch rastlos und süchtig. Seine Heroinsucht ließ ihn seit den 50er-Jahren weltweit zur Symbolfigur bürgerlicher Vermutungen über zwangsläufige Zusammenhänge zwischen Jazz und Rauschgift werden. Nach jahrelangen Demütigungen, Haftstrafen, Heilungs- und Comebackversuchen wurden ihm 1968 bei einem Streit unter Fixern fast alle Zähne ausgeschlagen. Für einen Trompeter die Höchststrafe. Danach lebte er mehrere Jahre von der Wohlfahrt, bevor ihm nach einer erneuten Entziehungskur und hartem Training in den 70ern der Wiederaufstieg gelang.

Ich setzte mich damals direkt an den ersten Tisch, denn das Domizil hatte keine Bühne. Und dann stand Chet im Scheinwerferlicht. Er hielt die Trompete in der rechten Hand. Sie hing an seinem schmalen Körper herunter. Sein Gesicht war eingefallen. Die Augen in tiefen Höhlen, sie schauten irgendwo in die Ferne. Die langen Haare fettig nach hinten gekämmt. “Don’t change a hair for me. Not if you care for me. Stay little, funny Valentine.” Minutenlang die pure Magie. Tosender Beifall. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Ein großes Glück, wie sich schon wenige Monate später herausstellte. Chet Baker hatte erneut begonnen Heroin, Kokain und Amphetamine zu konsumieren und war wieder voll drauf, als er am Freitag, dem 13. Mai 1988, tot in Amsterdam aufgefunden wurde. Eine Legende besagt, dass er dort des Hotels verwiesen worden war. Weil er aber seine Trompete vergessen hatte, sei er aus Stolz die Regenrinne hochgeklettert und dabei abgestürzt. “Wovon träumst du denn?”, fragt mich Tina irgendwann und schaut mich dabei übertrieben abwesend an. “Von einem Engel mit gebrochenen Flügeln”.

Der Alltag kanalisiert mein Denken

Freitag, 17. Juli 2009

Das Mühlrad steht und die Turbine habe ich seit Montag auch auseinander genommen. Beim Mühlrad wurde 1960 gepfuscht und bei der Turbine vor fünf Jahren. Egal an welcher Stelle ich mich ans Werk mache, es tun sich neue Baustellen auf. Aber das ist eine Sache, die ich an meiner Arbeitsstelle sehr schätze. Wehr, Brücke, Mühlrad, Turbine, Sägegatter und so weiter, alles Sachen, die in meinen Bereich fallen und alles Sachen, die für überraschungen sorgen. Eben keine eintönige Arbeit.

Ich habe jetzt gerade bestimmt fünf Mal Anlauf genommen etwas zu schreiben und die Sätze gleich wieder gelöscht. Mir gehen im Augenblick zu viele technische Gedanken durch den Kopf. Für mich ist das ganz nett, aber zum Schreiben keine gute Grundlage.

Einstein hat einmal (sinngemäß) gesagt: “Die Welt hat nur dann die Möglichkeit sich grundlegend zu ändern, wenn alle Menschen für eine gewisse Zeit im Leben nicht arbeiten.” Der Alltag kanalisiert das Denken, bringt es in Bahnen und bindet auch Kreativität. Ich denke auch ein Künstler, der sozusagen pausenlos hoch kreativ beschäftigt ist, bewegt sich in Gedankenfeldern. Felder die durchdrungen werden, dazwischen Felder, die im Schatten liegen. Viele wirklich inspirierte Künstler haben neben ihren Schaffensphasen auch ihre Depressionen. Bewegt sich eine Seele, wenn sie in permanenter Hochgeschwindigkeit verbleibt?

Sommer auf dem Plattenbau-Balkon

Dienstag, 30. Juni 2009

Seit langem wieder einmal sitze ich auf meinem Balkon im Plattenbau und genieße den Abend. Beim letzten Sperrmüll, sind einige Möbelstücke gelandet, die hier für Enge sorgten. Jetzt ist es geräumig hier, die Blumentöpfe stehen an der Wand mit Löwenmaul, fleißigen Lieschen, Astern, Rosen und anderes. Vor mir der Blick auf die Leuchtenburg, die Höhenzüge des Leutratals und Schornsteine unseres Heizkraftwerkes in Burgau. Der Verkehr rollt unablässlich auf der Straße nach Stadtroda und der Autobahn.

Meine Mattigkeit heute Abend habe ich wieder mit Schreiben überbrückt und einem Schwarztee. Schön, das gemeinsame Singen beim DRK um 14 Uhr zur Gitarre. Zwar nur ein kleiner Kreis von sechs Frauen und zwei Männern, aber trotzdem schön für uns alle. Hier eigene Texte, vom Urlaub gelesen, Gedichte von Kästner gesprochen oder einfach nur das Singen begleitet mit meiner Gitarre und Stimme. Zuvor gab es ein gutes Stück Kuchen und Kaffee spendiert vom DRK-Begegnungszentrum für mich. Eine sehr schöne Veranstaltung, der ich auch schon einige Jahre beiwohne mit meinen Gaben.

In den Fahrstuhletagen von Lobeda West brennt Licht, sonst nur vereinzelt ein beleuchtetes Fenster. Was werden die Leute jetzt tun? Meine Tagetes leuchtet in ihrem Orange in der Dämmerung. Droben am Himmel ein letzter Hauch von Abendröte und der zunehmend gelbe Mond. Da muss ich an Heinrich Waggerl denken. “Welch ein Glück, dass es die einfachen Dinge immer noch gibt. Immer noch Felder, rauschende Bäume und den Mond am Himmel.”

Herzliche Grüße von Susi L. aus Jena