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Als ich am Montag meine E-Mails las, fiel mir zuerst die Post einer Klientin ins Auge. Ich betreue sie bereits einige Zeit. In ihrem Leben hat sie schon einige Schicksalsschläge wegstecken müssen. Und jetzt schien ein weiterer zu folgen.

Für diese Frau war es eine große Überwindung gewesen, überhaupt die Schuldnerberatung aufzusuchen und dann auch noch von einem Mann beraten zu werden. Mehrere Anläufe waren nötig um Vertrauen zu fassen. Im Laufe des Beratungsprozesses gab es leider immer wieder Probleme mit den Gläubigern.

Die Eröffnung des Verbraucherinsolvenzverfahrens zog sich in die Länge. Wiederholt musste ich sie in Krisen unterstützen. Eigentlich schien jetzt alles geregelt. Ihr ersehntes Ziel war die Eröffnung des Verfahrens. Aus der Mail möchte ich nur ein paar Stichworte zitieren:

“Endlich wurde die Insolvenz eröffnet.
Konto- und Gehaltspfändung. Kontokündigung?
Mein Arbeitgeber droht mir. Super Nikolaus!
Ich denke, die Insolvenz war ein Fehler!
Ich bin wirklich fertig. Ich habe keine Lust mehr.”

Ich konnte die Klientin dann telefonisch erreichen, sie beruhigen und die Sachlage aufklären. Sie hat nach dem Schreiben des Insolvenzgerichtes und des Treuhänders panisch reagiert. Die Briefe hat sie nicht richtig gelesen. Nur Stichworte haben sich bei ihr festgesetzt und Angst und Schrecken ausgelöst. Die Kontokündigung war keine Kündigung. Sie konnte weiterhin über ihr Konto verfügen.

Für mich war es wieder die Bestätigung, wie wichtig die soziale Schuldnerberatung des Caritasverbandes ist. Gerade in Abgrenzung zu Rechtsanwälten oder gewerblichen Schuldnerberatern. Es geht eben nicht um das Geld, die Insolvenz, die Restschuldbefreiung. Der Mensch hinter den Schulden muss sich mit seinen Sorgen, Nöten und Gedanken angenommen fühlen. Oft braucht er eine verlässliche Begleitung und Beratung auch über die eigentliche Schuldensanierung hinaus.


Martin N. schrieb unter einem Pseudonym im Weblog Mitten am Rand. Zum Schutz der Klientinnen und Klienten der Schuldnerberatungsstelle über die er berichtete.

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Eine Antwort zu “Insolvenz: Wo bleibt der Mensch?”

  1. Sina K. sagt:

    Der Mensch bleibt hier immer auf der Strecke!