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2009 27 Nov

Fast alles normal auf Gran Canaria

Autor: Thorsten Bathe | Kategorie: Allgemein | RSS 2.0 |
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Erholung – selbst auf Gran Canaria ist das möglich. Sogar im Auge des Hurrikans, dem südlichen Urlaubsmekka Playa Del Ingles. Dem Ort für jung gebliebenes Partyvolk und typischen Pauschaltourismus zwischen 60 und scheintot. Drei wichtige Gebote: genügend Bücher, schützende Kopfhörer und eine deutliche Körpersprache: „Wer mich anspricht, stirbt sofort.“ Wenn schon Kontakt, dann bitte nur zur Putzfrau. Die spricht wenigstens Spanisch. Ohne die verbalen Kunststückchen wie das akrobatische Gelispel.

Wichtig auch: man bleibt in dieser Region von lästigen Insekten verschont. Die halbmeter langen Echsen in den Wanderdünen und die berühmten las cucarachas sind froh, wenn sie ihre Ruhe haben. Gefahren durch Raubtiere drohen ebenfalls nicht. Mal abgesehen von den Dorfkötern, die mir auf meinen Wanderungen durch die wundervollen Barrancos im Landesinneren begegnen. Der durchschnittliche kanarische Bergdorfbewohner verfügt über fünf bis siebzehn vierbeinige Bestien, die sein windschiefes Häuschen und den müllübersäten Vorgarten durchaus pflichtbewusst bewachen.

Sobald man besiedeltes Gebiet verlässt, hat man tatsächlich aus dem Tierreich nichts mehr zu befürchten. Allerdings wird einem auch ganztägig keine Menschenseele mehr begegnen. Ausnahmen sind die touristischen Hot-Spots wie der Roque Nublo. Ein Prachtkerl von Fels, mit einer atemberaubenden Aussicht. Statt stiller Kontemplation erwartet mich dort bekannter Frohsinn. Ein schneller Blick bestätigt es – das Palaver veranstalten Nordic-Walker aus dem Rheinland. Da ich Kummer gewöhnt bin, entreiße ich ihnen ihre Spielzeuge und werfe sie in die Schlucht. „Ay hombres“, verabschiede ich mich, „nun aber Maul halten und Stöckchen holen“.

Ein Tag, so schön und erholsam wie der gesamte Urlaub. „Si, normál“, sagt meine Putzfrau dazu. Allerdings nicht nur dazu. „Normál“ ist eine ihrer wichtigsten Vokabeln. Sie bezeichnet damit beispielsweise die Tatsache, dass mein Mietwagen auf der rechten Seite stark verbeult ist, beim Geradeausfahren scharf nach links zieht und die Vorderachse beim Fahren ein Dengelgeräusch erzeugt. Für sie ist auch das tröpfelnde Rinnsal aus der Apartmentdusche genauso normal wie das Nicht-Funktionieren der Herdplatte und die unpraktische Art, das Bett zu beziehen. Als ich jedoch das obligatirische Bidet kurzerhand als Waschmaschine nutze, ist das plötzlich gar nicht normal. Wenn ich ihren erschrockenen Aufschrei richtig deute.

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