« Eine Freundschaft ohne Freund Bunte Vögel und eintönige Moralisten »

Meine Kollegin und ich sind gespannt, wie viele Badegäste und wer uns heute besuchen wird. Einer der Stammgäste erwartet uns bereits vor der Tür. Er hat bei uns eine Plastiktüte mit Rasierzeug und Badeutensilien deponiert. Frisch rasiert und gebadet bleibt er auf einen Plausch bei Pfefferminztee. Danach besucht er regelmäßig die Stadtbibliothek und informiert sich dort über lokale und weltweite Ereignisse in der Presse.

Ein arbeitssuchender junger Pole kommt mit (Schlaf-)Sack und Pack. Er benötigt sozusagen das ganze Programm: Handtuch, Seife, Shampoo und Unterwäsche. Nach dem Bad nimmt er gerne eine Tasse Kaffee an, dreht sich auf Vorrat Zigaretten. Dabei schildert er uns in kaum verständlichem Deutsch seine Suche nach einem Arbeits- und Schlafplatz.

Eine Frau, die noch nie zuvor bei uns war, setzt sich nach dem Bad zu ihm und trinkt eine Tasse Pfefferminztee. Sie zeigt große Anteilnahme an seinem Schicksal, aber auch sie scheitert an den Sprachproblemen. Als sie geht, lässt sie 30 Cent für den Tee da. Sie besteht darauf.

Inzwischen waren noch zwei Männer zum Baden da. Wir vermuten Polen. Sie sprachen kaum ein Wort, verlangten Handtuch und Shampoo. Nach einer halben Stunde waren sie bereits fertig und mit einem kurzen Kopfnicken gingen sie.

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2 Antworten zu “Frisch machen für die Arbeitssuche”

  1. friedhelm sagt:

    Finde ich bemerkenswert, dass sich die Ausgestoßenen noch bedanken für Dinge, die für die Masse selbstverständlich sind. Ich denke, wenn man im sozialen Bereich helfend tätig ist, sollte man keinen Dank erwarten. Jeder tritt die, die am Rande “leben”, genauer gesagt vegetieren. Besonders leider der Staatsapparat. Schikane hoch 10. Die Helfer kommen in den Himmel. Die Beamte fahren zur Hölle. Soviel ist sicher.

  2. Igasho sagt:

    Eigentlich solltet ihr mal einem öffentlich-rechtlichen Sender anbieten, ne Reportage über eure Einrichtung zu machen. Würde sicher viele Menschen nachdenklich werden lassen und sie erinnern daran, dass nicht selbstverständlich ist, was wir im Allgemeinen voraussetzen in den westlichen Gesellschaften.

    Euch alles Gute!
    Igasho