Mir geht ein Satz von Connie Palmen durch den Kopf: „Sucht ist eine Freundschaft ohne Freund“. Drogen sind ein Halt. Ein Halt, der verbrennt, verpufft, verfliegt. Ihr größter Vorzug ist, dass sie einen nicht betrügen und verlassen können. Sie hören niemals auf, einen zu lieben. Und sterben tun sie auch nicht. Also müsste ich nur anfangen zu rauchen, zu trinken oder zu spritzen, um die Risiken zu vermeiden, die ich bei einer Freundschaft oder Liebe notgedrungen eingehe?
Weißhausstraße, Eifelwall … Nichts passiert einfach so. Weder in beruflichen Zusammenhängen noch im Privaten. Alles bedeutet etwas, wenn auch nicht immer viel. Sogar die Klänge von Mixmaster Morris aka The Irresistible Force, die ich heute für den Weg zum Kölner Hauptbahnhof ausgewählt habe. Sie scheinen ein Eigenleben zu führen und drängen meinen Allerwertesten schon um sieben Uhr morgens tief in den abgewetzten S-Bahn-Sitz. Vor Arbeitsbeginn.
Barbarossaplatz, Poststraße … Je länger ich den Klängen lausche, desto größer ist ihre Wirksamkeit. Mixmaster Morris ist seit Jahren ein Meister dieser Art von Umgebungsmusik. Doch aufgepasst, die fleischgewordene Energielosigkeit mancher sozialarbeitender Birkenstocklatsche wird sich in seinen Geräuschwindungen verirren und im Leben nicht wieder herausfinden. Morris‘ Klangentwürfe zeugen weniger vom Sound Of Silence als von der Feinarbeit des Feilens am instrumentalen HipHop.
Neumarkt, Appellhofplatz … Die Beats dehnen sich im Herzschlagrhythmus zu Wortfetzen, spinnenwebzarten Tonbeimischungen und reichlich Geplucker. Trotz aller Psychedelisierung gilt vor allem eins nicht: Langeweile. Mixmaster Morris versteht es, meine Gedanken und mein Gemüt zu beruhigen. Und mich gleichzeitig zu motivieren. Jetzt arbeiten? Da habe ich doch kein Problem mit. Am Hauptbahnhof angekommen, fühle ich mich fit und versöhnlich. Und denke: So einfach passiert nichts.









Na, wenigstens hat die Musik eine gute Wirkung auf DICH, mich nervt so was tierisch in der Straßenbahn:-(. Ich kann das meist kaum begreifen, wie die Menschen sich so abschotten können von ihrer Umgebung und warum. Dein Text macht mir zumindest deutlich, warum Menschen das machen. Dafür Danke.