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Der Schrei © Jonas Glaubitz - Fotolia.comSeit etlichen Tagen drücke ich mich um diesen Eintrag herum. Für mich ist das Schreiben hier an einen Grenzpunkt gekommen. Schon im Seminar in Berlin dachte ich, dass es nur noch darum gehen kann, hier das letzte Jahr zu reflektieren. Kein guter Gedanke. Leider habe ich das zu spät bemerkt. Bisher habe ich mich bemüht, so ungefiltert wie möglich zu schreiben. Habe versucht, die Einträge möglichst schnell zu vergessen. Doch das geht nicht mehr. Gefühle brechen auf. Und jedes Gefühl ist auch ein Rufen. Ein Rufen, das sich nach Echo sehnt.

Seit sich der Vorsatz, nur noch zu reflektieren bei mir eingeschlichen hat, klappt das schnelle Vergessen nicht mehr richtig. Ohne mir die letzten Einträge noch mal durchzulesen, denke ich: Alles nach dem 21.09. kann eigentlich nichts mehr sein. Ich hab mich bemüht etwas zu schreiben was Inhalt hat, mich dabei aber um den heißen Brei bewegt. Interessant wäre gewesen: Was war das letzte Jahr, was hat das Schreiben verändert? Aber so geht es nicht. Möglicherweise eine Form von Therapieschaden, nicht zu merken, dass … Es gehört dazu, ab und an das, was man so macht von außen zu betrachten. Und was man dann sieht, hinterlässt Emotionen.

Ja, das ist wohl der Kern, um den ich mich schon so lange herumdrücke, und ein Kern, den ich nur beschreiben kann, wenn ich versuche ein Bild davon zu zeichnen. Jedes Gefühl ist auch ein Rufen, ein Rufen, das sich nach Echo sehnt. Ja, man ist ja schon erwachsen und kann damit leben, wenn nur der Hall eines leeren Raumes zurückkommt. Aber wenn das Rufen sehr weit innen passiert und nichts da ist, was reflektiert, dann fühlt es sich, an wie in einem schalltoten Raum zu sitzen. Bisher habe ich hier eher versucht zu schreien und hab mir die Ohren zugehalten, damit ich nicht Gefahr laufe, etwas von diesem Effekt mitzubekommen. Aber reflektieren heißt: Ohren aufmachen.

Alles hat seinen Platz, seine Zeit und seinen Ort. Und wenn man unbefangen ist, ist es gut, seine Gefühle ganz spontan zu leben. Da gibt es genügend Orte in einem selbst, die ein Echo liefern. Ein Echo, das einen weiterbringt. Und meist ist es sogar so, dass diese Unbefangenheit einen Zauber hat. Den Zauber, dass tatsächlich jemand da ist, der antwortet. Aber auch das ist der Kern: Diese Unbefangenheit kann man verlieren oder man hatte sie nie und wird möglicherweise drogensüchtig, Zuhälter, Politiker, oder etwas in dieser Art. Und das kommt immer wieder in mir hoch: Der kleine Blechtrommler. Aber so schreien, dass Glas zerbricht, ist mir nicht gegeben.

… hier das zu reflektieren, was zwischen den Zeilen steht, die ich bisher geschrieben habe, ist wichtig. Mitten am Rand als Ort dafür aber eine Sache, die nicht geht. Und ich bewege mich aus dem Alltag heraus, der Thema dieses Blogs ist. Weiterhin den Blechtrommler zu geben, wäre zu fade. Es tut mir leid, für diesen Eintrag so lange gebraucht zu haben, und weiß nicht, wie viele Einträge von mir noch kommen.

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2 Antworten zu “Wo bleibt das Echo?”

  1. Ein ‘Echo’ zu geben ist in diesem Fall für Außenstehende schwierig, wenn man nicht bei Gemeinplätzen enden will. Gut sind sicher: Schreiben und kritische Selbstreflexion.

  2. Hannes sagt:

    Nichts muss dir Leid tun. Du hast hier ja keine Verpflichtung, sondern eine Plattform.
    Ich bin mir nicht ganz sicher was schreiben für dich bedeutet, aber ich kenne ein paar Möglichkeiten. Es kann ein Kanal sein, nach außen und nach innen.
    Reflexion habe ich als Teil eines Prozesses kennen gelernt, der Heilung bedeutete. Fehler, Gedanken und vieles mehr erkennen, begreifen und lernen Dinge anzunehmen, oder zu verändern.
    Damit meine ich nicht ein “Ich” – zentriertes Leben zu führen, sondern sehe es eher als Teil einer Identitätsfrage.

    Ich wünsche dir viel Kraft für deinen Weg.
    Hannes