Immer wenn ich, so wie heute, am Kölner Brauhaus Päffgen vorbeigehe, muss ich an Christa denken. Dann sehe ich auf einer bestimmten Fotografie die flächige Größe ihres noch jungen Gesichts vor mir. Die hohen, ausgeprägten Wangenknochen. Den großen Abstand zwischen Oberlippe und Nase. Hohe, runde Augenbrauen verleihen ihr einen fragenden Ausdruck. „Interessant, so knallt Heroin also?“, scheint sie zu denken und blickt über die linke, knapp bis unter das Kinn geschobene Schulter in Richtung Kamera.
Zum Zeitpunkt der Aufnahme hatte Christa Päffgen sich schon in Nico verwandelt, als Model für Coco Chanel gearbeitet und mit Mastroianni und Gainsbourg Filme gedreht. Sie war ein Star in Warhols Factory-Szene und spielte Frontfrau bei Velvet Underground. Dort hatte Nico begonnen, ihr kaum vorhandenes Sangestalent zum Mysterium zu stilisieren. Mit einer Wisperstimme, die in Bassregionen jenseits der Hörgrenze reichte, hauchte sie zu Orchesterbegleitung und Gitarrenkrach abstrakte Klagen und surrealistischen Weltschmerz.
Während Lou Reed die Heroininjektion auf der Bühne nur simulierte, setze sich Nico die Spritze hinter der Bühne wirklich, trat auf, hielt sich am Mikrofonständer fest, wusste ihren Text nicht mehr. Das Heroin vergaß sie aber nie wieder. Der Abstieg vom blonden Engel zur Junkiekönigin begann. „All tomorrow’s parties“ drehten sich fortan nur noch um den braunen Stoff, egal ob in New York, später in Manchester oder danach auf Ibiza, wo sie 1988 nach einem Fahrradsturz an einer Gehirnblutung starb.
„Ich glaube nicht, dass ich noch böse Erfahrungen machen kann. Ich habe sie alle hinter mir“, sagte sie einmal in einem Interview. Dabei rahmte der runde Unterkiefer das Gesicht in perfekter Entsprechung zu den Brauen ein. „Mir ist klar, dass man nicht stirbt und dann tot ist. Es geht weiter, nur in einer anderen Form.“ Für mich hat Nico jenseits der Klischees und Avantgarde-Manierismen etwas, das mich all die Jahre nicht mehr losgelassen hat. Dank des Päffgens werde ich oft genug daran erinnert.









Mir ist klar, dass man nicht stirbt und dann tot ist.
WARUM WY
ERINNERUNG MEMORY
BERÜHRUNG TOUCH
TRAUER DEEP MOURNING
EINSAMKEIT LONELINESS
WY WY WY WY WY ?
Es geht weiter nur in einer anderen Form.
Ist es nur Nico, die etwas hat, das dich nicht mehr losläßt?
LOSLASSEN LET GO
NICHT EINFACH NOT EASY
B.