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2009 25 Aug

Knetmasse Leben

Autor: Thorsten Bathe | Kategorie: Sucht | RSS 2.0 |
Tags: , , | 2 Kommentare

knete © Gerisch - Fotolia.comFrohes, tristes, atemberaubendes, belangloses Leben – nichts ist für ewig! Erde aus Blättern, Kohle aus Holz – erschaffend, vergehend. Im Zeitraffer entwickelt man sich selbst. Der Kiefer klappt über das Hirn, zerkaut einen. Wangen fließen, Rippen knacken. Die Füße stülpt man in neue Hautlappen: Knetmasse Leben. Pläne können ruiniert werden wie Freundschaften, Liebesbeziehungen und Omelettes, aber nicht das Leben. Was die Leute ein ruiniertes Leben nennen, bedeutet doch nur, ein anderes Leben zu führen als das, was sie für richtig halten. Beispielsweise so ein egozentrisches, süchtiges und kriminelles Leben wie das von Lorenz.

Vor einigen Monaten ist er im Krankenhaus gestorben. Ich mochte ihn, denn Zugewandtheit, philosophischer Tiefgang und Liebenswürdigkeit zeichneten ihn auch aus. Junkie hin oder her. Wir standen uns so nahe, wie das zwischen Drogensüchtigem und Sozialarbeiter sinnvoll ist. Ihm war daran gelegen, mich aus seinen Machenschaften herauszuhalten und mich korrekt zu behandeln. Aber vor allem sich mir mitzuteilen. Manchmal haben wir Gedankenschach gespielt. Ich habe ihm viel Aufmerksamkeit geboten, ihn bestimmte Grenzen aber nicht überschreiten lassen: keine persönliche Telefonnummer, keine privaten Kontakte, keine Geldleihen. 

Nach seinem Tod hatte ich Kontakt zu seinen Schwestern. Sie haben mich zur Beisetzung eingeladen. Wieder so eine Lorenz-Premiere: er war bisher der einzige Klient, den ich umarmt habe. Nun ist er auch der erste, zu dessen Beerdigung ich gegangen bin. Dort die Zuneigung der Geschwister zu ihrem verstorbenen Bruder wahrzunehmen und ihn geliebt zu wissen, war ein bemerkenswertes Erlebnis.

Bemerkenswert, weil es in meinem Arbeitsalltag in der Regel fehlt. Oft erfahre ich von Todesfällen nur durch die Polizei. Manchmal noch nicht einmal das. Klienten sind dann einfach verschwunden. Solche Veränderungen haben ihre Melancholie. Denn was ich hinter mir lasse, ist immer auch ein Teil meiner selbst. Nichts ist für ewig. Umso wichtiger sind die Abschiede. In Lorenz’ Fall war es ein tröstendes und befreiendes Lebewohl.

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2 Antworten zu “Knetmasse Leben”

  1. ramona sagt:

    ich will den goldenen machen. ich kann nicht mehr mit diser scheisse das leben fickt mich viele nicht freunde verloren wärens meine freunde gewesen würden si mir bei schden ich kann meine leute an einer hand abzälen fangt ni an ist viel zu geil und dan bist du voll weit unten und kommst gar nicht mehr so leicht raus

  2. Thomas sagt:

    Was soll ich da noch zu schreiben. Spricht alles für sich. Schön dass da noch etwas von dir kam.

    Lg Thomas