Die neu für mich zuständige Sozialarbeiterin holt mich zum Kennenlernen in ihr Büro und sagt, ich sei haftresistent. Warum? Na ich sei langzeitlich haftgewohnt. Ausgerechnet ich? Ich, der diese Knaststruktur so abgrundtief verachtet, soll daran gewöhnt sein? Ich, der seine Popel an den Schrank abschmiert wie das Baby seinen nackten Stinkepopo am Teppich? Ich, soll jetzt entstanden sein als der neue, bessere Mensch? Bedeutet es, dass ich nicht mehr büße? Muss jetzt etwas mit mir geschehen, damit ich wieder leide? Bin ich auf dem Weg zum guten Menschen, wie der aus Sezuan?
Vielleicht hatte sie lediglich ihr Urteil heimlich durch Erkundigung gebildet. Denn ich habe eine weitere menschlich autonome überlebensstrategie entwickelt. Es ist die einer außergewöhnlichen Form von Fröhlichkeit. Ich lache und kichere andauernd absichtlich herum, brülle leise und quietsche, grunze wie ein Meerschweinchen. Ich könnte über den blödesten Unfug abgrinsen. Oder ich halte ironische Ansprachen.
Dem Hausarbeiter erkläre ich, weshalb ich vegetarisch esse, erzähle ihm etwas von seinem in Verwesung begriffenen Fleisch, frage ihn, ob er mich mit Kunstkäse oder Hartfette “umbringen” möchte. Seine Soßen? Sie sind mit Laktat vermengt, mit Mehl verdickt, als doppelte Sättigungsbeilage, deswegen trägt er einen Trommelbauch. ähnlich wird das Gemüse gestreckt. All das gehört zur Strafe und er verleibt sie sich ein – wie schön.
Ich denunziere diesen institutionellen Schwachsinn. All dies erheitert mich in aberwitziger Weise. Manche denken ich sei ver-rückt oder altersenil im Frühstadium. Keiner versteht mich. Neulich zitierte mich sogar mal ein von mir Gepeinigter, ein Mitgefangener, altersmäßig mein Sohn, zu sich und meinte, ich würde mich nicht altersgerecht bewegen. Haha, ich produziere also meine eigenen Lacherzeugnisse. Nur Lachyoga ist noch schöner. Doch ich habe das andere Lachen, das kuriose Lachen.
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