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2009 10 Jul

Brutstätte des Unsozialen

Autor: Peter S. | Kategorie: Haft | RSS 2.0 |
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Um mich herum sind nur doppelt gescheiterte Kerle. Sie träumen von dem ganz großen Ding nach der Haft. Je schlechter es dem Menschen hier geht, desto mehr scheitern sie, desto größer wird ihre Sehnsucht oder die böse Romantik. Oder aber die geläuterte Variante: Mal ehrlich betrügen, so wie es der Banker macht. Diese Gescheiterten jedenfalls, glauben nicht wirklich an ihr Scheitern. Denn gleich darauf tauschen die Verderbten sich ihre neuen Entwürfe und Visionen aus: Das ist, mein Freund, eine böse, subversiv-rituelle Romantik.

Kann eigentlich unter gleich subversiven Romantikern das wahre Gute entstehen? Wohl nicht. Warum? Weil diese Romantik täglich zelebriert, beschwört, ja feierlich eröffnet wird, damit sie sich verfestigt: Sie ist deshalb rituell. Das Bewusstsein bleibt daran hängen, so wie die Gläubigen an Gott bei der sonntäglichen rituellen Andacht.

Die Verderbten sind ein Haufen Welpen aus einem Wurf, deren Gestalt ein einziger Körper ist, der sich mit seinen Teilen einander reibt und wärmt und schließlich dann mehr Verderbte heraus gebiert als es die Summe ihrer Einsperrung zulässt. So entsteht oder wächst das Böse an. Das Gefängnis ist deshalb eine Brutstätte des Unsozialen. Die Haftverhältnisse müssen menschlich werden, weniger einengend, damit die böse Romantik nicht übergroß wird. Die Ausgrenzungstechnik muss den Menschen gegenüber das zeigen, was sie später tun sollen und sie nicht in einem Klo leiden lassen, so wie es hier geschieht. Du willst endlich wissen, wie es bei mir zur bösen Tat kommen konnte.

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