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RalphK
RalphK
SigridH
Thorsten Bathe
LutzS

Archiv für Mai 2009

Wie die Straßenzeitung in die Wirtschaft kommt

Donnerstag, 28. Mai 2009

Letzte Woche war ein Benefizlauf zugunsten der Telefonseelsorge, in der Stadt. Es gab am Start Bratwurstmarken und T-Shirts mit Aufdruck Telefonseelsorge, die ein Einkaufszentrum spendierte. Die Strecke belief sich auf ca. drei Kilometer rund um Jenas Innenstadt, Läufer, Radfahrer und Spaziergänger formierten sich unübersehbar durch die Straßen.

Ich war auch dabei. Gut, dass es diese Einrichtung gibt. Habe dort schon Hilfe erfahren. Manchmal gibt es doch Fragen oder Lebensgeschichten, die man loswerden möchte. Jemand der zuhört oder nützliche Tipps bereit hat, da ist die Telefonseelsorge gerade richtig. Beim Pfarrer oder lieben Freunden kann man sich auch gut austauschen.

Nach der Wanderung im Zug mit dem leuchtenden T-Shirts, nahm ich dankbar die Bratwurst in Empfang und ein Becher mit Wasser. Eine Jazzkapelle spielte zur Unterhaltung. Später traf ich liebe Musenschwester. Sie lud mich ein, in ihrer Gaststätte zu verweilen, bei guten Kaffee und Würzfleisch. Herrlich, die gelbe Farbe des Mangosaftes, passend zu meinen bunten Sachen.

Kerstin kauft immer fünf Straßenzeitungen und legt sie dann im Gatto Bello aus, zum Lesen. Wir erzählten miteinander und freuten uns über den schönen Tag. Reich beschenkt mit Eindrücken, Bildern, gut gespeist und getrunken zu haben, nette Gespräche, eine dicke Umarmung von Kerstin und einige Zeitungen verkauft, ging es nach Hause.

Heimlich arbeiten für ein Leben ohne Rettungsschirm

Mittwoch, 27. Mai 2009

Hallo Ralph K ist wieder
da.

Nun habe ich erst mal Zahnarztpause, bis ich meine Vertretungszeit um habe.
Auf einer Seite bin ich stolz darauf die Arbeit zu bewältigen und Geld zu verdienen,
auf der anderen Seite aber auch Angst und ein schlechtes Gewissen, weil ich den
Zuverdienst nicht angeben will
, um so viel wie möglich auf eigene Rechnung
leben zu können. Das heißt für mich: Zahnarzt bezahlen, nicht zur Tafel gehen
zu müssen und mich nicht so sehr als Mensch zweiter Klasse zu fühlen. Ohne
Rettungsschirm!

Bis bald Ralph K.

Hartz-4er bekommt nur Amalganfüllungen

Dienstag, 26. Mai 2009

Hallo,

mein Name ist Ralph K. und ich will heute anfangen
zu schreiben. Gestern bekam ich 5 Zahnfüllungen die meine Rechnung um
80 Euro anwachsen ließen. Als Hartz-4er bekommt
Mann und Frau sonst ohne Zuzahlung nur krankmachende Amalgamfüllungen.
So hoffe ich mal, gesund zu bleiben, damit ich diese Euros aufbringen kann.

Bis bald Ralph K.

Warten aufs Wohngeld

Dienstag, 26. Mai 2009

Die Woche fängt neu an und ich bin schon wieder voll gestresst. Mein Terminkalender ist schon wieder voll gepackt. Noch eine Woche bis zum Ersten und meine Panik steigt. Schaffe ich das Limit, das ich mir gesetzt habe? Diesen Monat ist wieder Antragsmonat.

Mein Wohngeld läuft aus, das heißt ich muss mindestens wieder zwei Monate warten bis alles genehmigt wird. Wäre vielleicht einfacher, wenn man einen Monat vorher alles beantragen könnte. Also fehlt mal wieder Geld und die Rechnungen werden hin und her geschoben. Bei Alleinerziehenden spart der Staat jeden Euro, dabei schmeißen wir den Haushalt, den Behördenkram, die Erziehung der Kinder. An manchen Tagen denke ich, dem Staat ist es schon seit Jahren egal, was aus uns wird.

Ich versuche meinen Kinder Werte zu vermitteln und bin stolz auf sie. Ich habe liebe Kinder und wenn die Großen auch einige Probleme haben. Ich versuche immer ein offenes Ohr für sie zu haben, aber trotz allem habe ich Angst zu scheitern. Jeden Monat frage ich mich, wie lange kann ich diesen Stand halten? Ich habe Angst, dass es noch schlimmer kommt.

Habe kein Geld für Kleidung, Renovierungen, Anschaffungen fallen aus, hätte gerne ein eigenes Schlafzimmer (schlafe im Wohnzimmer). Selbst der Urlaub ist in den letzten Jahren gestrichen. Je länger ich nicht mehr arbeiten kann umso größer wird unsere Armut und trotz allem, bin ich stolz, dass meine Kids Ihren Weg gehen werden und die Schule ernst nehmen.

In der nächsten Woche werde ich meine Schulden in Angriff nehmen. Wird schon schief gehen. Doch alles in allem versuche ich positiv zu denken, denn ich muss für meine Kinder da sein. Heute Morgen war ich beim Gesundheitsamt, beim Selbsthilfeforum, möchte mich wieder einer Selbsthilfegruppe anschließen. Denn immer öfter habe ich das Gefühl ich ersticke, bin gefangen in einen Käfig.

Noel Gallagher unter Hausarrest

Montag, 25. Mai 2009

Noel Gallagher (c) Etsai from Japan, WikipediaWie manche Klienten träumte auch Noel Gallagher davon ein Star zu werden. Ein anerkannter Songwriter und umjubelter Gitarrengott. Als ihm sein Vater endlich das heiß ersehnte Instrument schenkte, war er dreizehn Jahre alt und mochte die Musik genauso laut und krachig wie die seines Vorbildes Johnny Marr. Leider hatte die Gitarre einen entscheidenden Fehler: sie war rein akustisch. Also Rock’n'Roll untauglich.

Statt zu üben, trieb sich Noel deshalb lieber mit Freunden herum. Mit ihnen machte er die Straßen von Manchester unsicher, schüttete Apfelwein in sich rein und steckte sich Klebstofftuben in die Nase. Das billige Schnüffeln beeinträchtigte sein Denkvermögen entscheidend. Im Klebstoff-Rausch überfiel er zusammen mit der Clique ausgerechnet einen kleinen Laden im Viertel. Der Besitzer kannte jeden einzelnen mit Namen.

Noel wurde zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. Seine Eltern verdonnerten ihn zusätzlich zu einem halben Jahr Hausarrest. Aus Langeweile griff er nun doch zu seiner Gitarre. Und lernte ihr Töne zu entlocken. Ein Freund wurde mehrere Monate später Zeuge der ersten einstudierten Akkordfolgen und war entsetzt. “Das klingt ja schrecklich”, musste er gedacht haben und ließ sich die Gitarre geben, um sie zum ersten Mal richtig zu stimmen. Nun war Noel entsetzt, denn er konnte mit seinen übungen wieder von vorne beginnen.

Heute muss niemand mehr Noel Gallaghers Gitarre stimmen, denn er produziert mit seiner Band Oasis einen Hit nach dem anderen. Aktuelles Beispiel: “I’m outta sight”. Ausrutscher in der Jugend müssen nicht zwangsläufig in den Ruin führen. Aus dem kleinen Jungen ist ein Weltstar geworden, der nach diversen Abstürzen die Drogen und sein Leben in den Griff bekommen hat. Wie gerne würde ich das auch von Klienten öfter sagen können.

Ich will, dass es aufhört

Montag, 25. Mai 2009

Immer wieder komme ich an einen Punkt, an dem mich bestimmte Bilder in meinem Kopf stören. Diese “Baustelle” kenne ich schon seit Jahren. Nichts, was ich nicht schon versucht hätte, damit das vorbeigeht. Zulassen, einordnen, als einen Teil von mir akzeptieren, … Es gibt so manchen Ansatz – die für mich beruhigende Lösung habe ich noch nicht gefunden. Die Bilder beschreiben immer wieder das Horrorszenario aus meinem frühen Leben. Der Umgang mit ihnen ist mir ein Greul.

Am Wochenende kam wieder so ein Schub. An diesem Wochenende hätten meine Eltern Geburtstag gehabt. Es war der Gang am Kalender in der Küche vorbei zum Garten. Ein wenig Ruhe am Nachmittag, und plötzlich begann die innere Vorführung von ganz allein. Ich spreche oft über diese Problematik mit einer Vertrauensperson. Diese Frau (eine Suchttherapeutin) geht manchmal ungewöhnliche Wege mit mir, um diesen Bildern das Störende zu nehmen. Sie hat bis hierher einen Weg mit mir gefunden den ich gehen kann, ohne vor mir und dem, was da in mir geschieht, davonzulaufen. Alles im Griff? Eher nicht, denn ich will das es aufhört!

Liebe Grüße
Lutz