« Strukturierte Tage tun meinem Gemüt gut Die Leere aus meinem Körper bekommen »

Erfreuliches: Ein wirklich nettes Telefongespräch. Eine Karte von Ba, die in Cannes war und mir von dort geschrieben hat. Und natürlich das aktuelle Wetter. Unerfreulich, ich bin meine Erkältung immer noch nicht ganz los. Vor der Arbeit morgen habe ich richtig ein bisschen Bammel. Ich muss wirklich aufpassen, mich nicht zu verausgaben, aber zu Hause bleiben ist nicht drin.

Vor einigen Tagen habe ich etwas gemacht, von dem ich dann gleich dachte, es war ein Fehler. Was hat mich da bloß wieder geritten? Ich habe meiner Mutter von diesem Tagebuch berichtet. Nach einem Telefongespräch mit ihr einige Zeit später habe ich mich da bestätigt gefühlt. In ihrer Stimme klang so etwas wie Sorge mit. Wie blöde bist du eigentlich, dachte ich, das tut doch wohl wirklich nicht Not, sie da noch mal zu belasten?

Glücklicherweise hatte ich dieses Gefühl beim nächsten Gespräch nicht mehr. Sie hat auch schon geschrieben, auch schon öffentlich. Für mich ist das etwas Neues, nicht nur eine neue Tätigkeit, sondern eine neue Erfahrung. Bisher habe ich gezeichnet, oder mich mit Gestaltung beschäftigt. Muße? Eher Auseinandersetzung. Richtig anstrengend und Zufriedenheit stellte sich da auch nie wirklich ein. Da bleibe ich immer meilenweit von dem entfernt, was ich eigentlich will. Schreiben ist da irgendwie anders.

Auch hier versuche ich etwas, habe Ansprüche. Aber der Hauptanspruch ist der, nicht befangen zu sein. Im Augenblick mache ich einiges, um meine verkleisterten Nebenhöhlen wieder frei zu bekommen. Klappt nur sehr langsam. Unbefangen etwas zu äußern, oder zu schreiben bewegt etwas. Die Nebenhöhlen meiner Seele klären sich Stück für Stück. Vielleicht kommt mein Körper da im Augenblick nicht wirklich mit und der Seelenrotz landet erst mal in meinen physischen Schädel.

Aber ist es nicht wirklich dumm, wenn man den Vorsatz hat so zu schreiben wie man niest, seiner Mutter davon zu berichten? Ich habe mit ihr über das Schreiben an sich geredet. Ich habe Kontakt mit meinem Bruder und seiner Familie. Und darüber freue ich mich. Glück gehabt.

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Eine Antwort zu “Die Nebenhöhlen meiner Seele klären sich”

  1. Sigrid Hund sagt:

    Unbefangen etwas zu äußern, oder zu schreiben bewegt etwas. Die Nebenhöhlen meiner Seele klären sich Stück für Stück. Vielleicht kommt mein Körper da im Augenblick nicht wirklich mit und der Seelenrotz landet erst mal in meinen physischen Schädel.
    Hey Rainer, ich glaube das Tagebuch zu schreiben bewegt etwas in uns was wir noch nicht so richtig begreifen. Du hast Glück gehabt mit deiner Familie. Es ist nicht ” dumm” das mitzuteilen ,was man denkt. Denn ich glaube,diesen Weg zu beschreiten,ist ein Weg ohne Drogen ,sich nicht zurück zu ziehen und sich damit auseinander zu setzen. Und wieder mal spielt die Zeit eine Rolle und wieviel Zeit gibt man sich , um diesen physischen Wollknäul zu lösen???
    LG
    Sigrid