Für eine junge Frau, die gerade dabei ist, ihren Bachelor zu machen, habe ich mich als Studienobjekt zur Verfügung gestellt. Ihre Arbeit beschäftigt sich – verkürzt und unwissenschaftlich gesagt – mit Drogenkarrieren. Gestern hatte ich einen Termin mit ihr. Heute morgen bin ich aus einem Drogentraum erwacht. Koks, Shore alles dabei. Merkwürdigerweise geht es in solchen Träumen immer nur um die Beschaffung oder darum, wie ich dann mit einem solchen Rückfall umgehe. Der Konsum selber bleibt unberührt. Er kommt nicht vor. Es scheint so etwas zu geben, das in den Träumen Regie führt. Eine Regie, die Tabus hat und Fragen stellt.
In diesem Interview ist mir noch einmal bewusst geworden, dass mein letzter Heroinkonsum 2001 war. Ich kann es kaum glauben: So lange schon her und doch noch so nah. Manchmal denke ich, dass es den meisten anderen, die den Absprung geschafft haben, anders geht. Irgendwann löst man sich doch von einem Alltag, in dem der Begriff Droge eine Rolle spielt. Irgendwann ist doch auch Therapie, Nachsorge u.s.w. weite Vergangenheit, und die Impulse, die einen an das Subuniversum Narkotika denken lassen, sterben aus. Manchmal denke ich, es könnte irgendwann geradezu ein Fehler sein, sich überhaupt mit diesem Thema zu befassen. Einfach vergessen, wäre doch das Beste.
Der Film, den die Traumregie drehen will, heißt glaube ich: “Tausend und eine Befangenheit”. Das Gefühl, das einen Drogenkonsum auslösen kann, will ich eindeutig. Es wäre geradezu krank, das nicht zu wollen. Aber das ganze drumherum, da sieht es schon anders aus. In den Träumen geht es glaube ich meist um solche Entscheidungen. Es geht darum, von Befangenheit zur Freiheit zu kommen. Als Robinson Crusoe auf einer einsamen Insel, auf der es Mohn gibt, ist es völlig klar, wie ich mich entscheiden würde. Aber in einer Welt mit Menschen, nein da will ich das nicht.
Hoffnung macht mir bei diesen überlegungen, dass es tatsächlich auch Träume gibt, in denen ich mich gegen Drogen entscheide. Es gibt da ja das Buch “Lauf um dein Leben”, hab ich immer noch nicht gelesen, aber bei dem Titel denke ich: Weglaufen als Lebenskonzept? Pfui Spinne. Na ja, jeder hat seine Strategie und jeder braucht auch eine andere. Ich verfolge meine und hoffe meinen Selbsttäuschungen auf die Spur zu kommen.
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