Ein Gedanke ist mir auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit in letzter Zeit immer wieder gekommen: “Eigentlich müssten mein Kollege und ich doch alle überschuldeten Menschen in unserer Kleinstadt mal beraten haben!” Dem ist nicht so! Die Nachfrage nach Schuldner- und Insolvenzberatung ist nach wie vor enorm hoch. Wartezeiten von drei Monaten und mehr sind die Regel. Das wird sich durch die derzeitige Krise wohl kurzfristig auch nicht ändern.
Natürlich helfen und beraten wir Menschen deren Existenz bedroht ist umgehend (Strom abgestellt, Räumungsklage der Wohnung, Haftbefehl, etc.). So auch heute. Herr P. kommt mit einem Stapel Unterlagen. Er hatte kurzfristig einen Termin bekommen. Es sei ihm mehr als peinlich zu mir zu kommen. Sein Chef hätte es ihm dringend geraten. Hr. P. ist sehr nervös. Ich spüre welche überwindung es ihn gekostet haben muss, zu mir zu bekommen.
Schnell wird mir bei der Durchsicht der Akten klar: Es muss gehandelt werden. Von zwei Amtsgerichten sind Haftbefehle ausgesprochen worden. Es geht um eine Geldstrafe wegen Unterhaltspflichtverletzung und angeblichen Mietbetrug. Von der Polizei hat er auch ein Schreiben bekommen, mit der Aufforderung sich zu melden. Diesen Brief findet er nicht, muss er wohl zuhause vergessen haben.
Anfang 2008 sei er zusammengebrochen, Diagnose: Burnout. Sein Beruf, die Tochter mit der Neurodermitis, die Trennung von seiner Lebenspartnerin und auch noch der Tod seiner Mutter, das alles sei zu viel geworden. Er hat dann nichts mehr gemacht. War mal krank geschrieben, kurz in der Klinik, hat einen Monat gearbeitet und war dann wieder krank. Unterhalt und die Miete konnte er nicht mehr zahlen. Ende September 2008 hat sein alter Chef ihm wieder eine Chance gegeben und ihn eingestellt.
Damit die Haftbefehle zurückgenommen werden, schicke ich ihn zur Staatsanwaltschaft. Er soll die Umwandlung der Geldstrafen in gemeinnützige Arbeit beantragen. Parallel werde ich mit den Gerichten Kontakt aufnehmen. Nächste Woche soll Herr P. wieder zu mir kommen. Dann werden wir weitersehen.
Tags: geldprobleme, haft








