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Archiv für März 2009

Noch 5,61 Euro bis zum Ersten

Montag, 30. März 2009

Puh, das Wetter trägt auch nicht gerade zu einem angenehmen Tag bei. Aber was soll ich tun? Das Geld wird knapp. Nur noch 5,61 Euro bis zum Ersten. Wir essen Reste, aber besser Reste als gar nichts mehr. Es ist schon komisch, wie sparsam man leben kann, wenn man gar nichts hat.

Heute Nachmittag kam mein Hausarzt. Ich habe einen super Arzt, der alles von mir weiß und gut auf mich eingeht. Dieses Mal musste er mir zwei Halswirbel einrenken. Gegen die Schmerzen kann auch er nichts machen. Das hab ich nun von meiner Abhängigkeit.

Aber selbst ohne Abhängigkeit kann ich nicht nur Tabletten nehmen, also bleibt mir nichts anderes übrig als alles zu ertragen. Ich soll wieder Physiotherapie bekommen, zur Erleichterung – besser als gar nichts. Im Moment kann ich noch nicht einmal an Gott oder meine Engel glauben. Ich habe immer einen Spruch, der mir gut gefällt: “Wenn Engel zögern, haben es Narren leicht.”

Ich brauche Geborgenheit

Montag, 30. März 2009

“Ich brauche kein Tavor, ich brauche Geborgenheit, ich brauche keine Psychiatrie, ich brauche eine Familie”, schreit es mich in fetten Lettern an, als ich am Morgen meine E-Mails abrufe. Rosi ist eine von denen, die nicht mehr in die Ambulanz kommen. Vor einem Jahr brach sie den Kontakt ab, zog einfach weg von Frankfurt. Die Monate zuvor waren von Sorge und Hektik bestimmt: Rosi versuchte mehrfach, sich das Leben zu nehmen! Vor wenigen Wochen nahm sie nun den Kontakt per Internet wieder auf. Ich bin erleichtert: Sie lebt noch! Aber wo und wie?

Ihr Hilfeschrei per Mail stimmt mich nachdenklich: Was brauchen die Menschen, die unsere Hilfe suchen, wirklich? Was heißt es, auf ihre Nöte zu reagieren? Und wer definiert in der Regel ihre Bedürfnisse und Nöte?

Im medizinischen Regelsystem zählt oft nur das Symptom, das ein Kranker oder eine Kranke bietet: das gebrochene Bein, die infizierte Wunde, die Lungenentzündung. Entsprechend fällt die Behandlung dann auch aus: Gips, Wundverband, Antibiotikum. Doch wer beachtet die besondere Lebenslage von Menschen wie Rosi?

Wer weiß, was es heißt, abends oder tagsüber keinen geschützten Raum zu haben, ein Ort, in dem einfach Ausruhen, Beinhochlagern oder Körperpflege und Hygiene möglich sind? Und was nützt dem Alkoholiker die zehntägige Entgiftung, wenn er sich anschließend wieder im Kreis alter Weggefährten wieder findet, deren Abstinenz schon lange her ist oder momentan undenkbar erscheint? Tagesstrukturierende Maßnahmen, Hilfestellungen bei den vielfältigen Behördengängen, die oft Frust und damit erhöhten Saufdruck bedeuten, können nicht auf Rezept verordnet werden.

Rosi, die ihr Bedürfnis nach Geborgenheit und Familie per E-Mail verschickt, erhielt psychiatrische Hilfe immer nur dann, wenn sie wieder einmal notfallmäßig in die Klinik eingeliefert wurde. Eine nachgehende Psychiatrie gab es für sie nicht und die Ansätze einer Gehstruktur sind nicht nur in diesem Fachbereich noch sehr bruchstückhaft.

Was braucht ein kranker Mensch in Wohnungsnot wirklich, um gesund werden zu können? Sicher keine strukturellen Hürden wie Praxisgebühren, Anträge, aus denen sein Mangel, kaum aber seine noch vorhandenen Ressourcen hervorgehen oder Kürzungen des Sozialgeldes, weil Termine und Auflagen nicht eingehalten werden konnten.

Ich glaube, Rosi hat Recht: Diese Menschen brauchen vor allem Beziehungen, die verlässlich sind. Sie brauchen Menschen, die sich für sie wirklich interessieren und gemeinsam mit ihnen suchen, was trotz aller Brüche und Verletzungen im Leben noch möglich ist. Ja, sie brauchen Menschen, die mit ihnen auf das vorhandene Lebenspotential in und mit aller Krankheit schauen und mit ihnen geeignete Wege gehen, dieses zu fördern und wirksam werden zu lassen.

Das ist mein Verständnis von echtem Heilsdienst.

Frühlingstraum

Montag, 30. März 2009

Endlich ist es soweit. Der Frühlingsanfang. Rosenkranz auf dem Kopf, die Haare offen. Mein hellgrünes Kleid an und die Gitarre genommen. Vorfreude hatte ich schon die ganze Woche. Frühlingslieder und Gedichte für groß und klein auf dem Jenaer Marktplatz gesungen und gesprochen. Dabei dieses bunte Treiben in mich aufgenommen. Die vielen Blumen, frohe Menschen und der Sonnenschein. Ein buntes Bild, ein Traum auch für andere Zeiten, in der Erinnerung gespeichert. Umringt von Familien, Kinder singen mit.
“Ein Vogel wollte Hochzeit machen” und andere schöne Volkslieder. Einige bedenken mich lieb mit Worten, Lächeln oder etwas Geld. Für die fünf Liter Apfelsaft reicht es auch. Das andere wird gespart für meine kleine Reise Anfang Mai. Günter, ein lieber Freund, spendiert ein schönes Essen im Gasthaus.
Das ist ein besonderer Tag heute, denke ich.

Keine Post – keine Rechnungen

Montag, 30. März 2009

Gott sei Dank, das Wochenende ist vorbei. Es nervt mich, wenn ich den ganzen Tag zu Hause bin. Die Kinder haben ihre Freunde und gehen dann ihre eigenen Wege (was ich auch in Ordnung finde). Aber das Wetter war nun mal nichts für Rollstuhlfahrer.
Irgendwie möchte ich mich verkriechen, habe heute starke Schmerzen (nehme aber wegen meiner Sucht nur Ibuprofen). Mir platzt mein Schädel weg, aber das kenne ich ja und muss da wohl durch. Gott sei Dank, keine Post heute, dann auch keine Rechnungen. Moma, mein Sohn, war so nett und hat den Garten am Samstag fertig gemacht. So, der Frühling kann kommen…

Jetzt kaufe ich sogar schon Obst …

Sonntag, 29. März 2009

Werde ich mich an eine 40-Stunden-Woche gewöhnen? Ich glaube nicht wirklich. 30 Stunden sind ideal, aber 40 lassen wenig Raum. Eigentlich wären mir da 50 bis 60 Stunden lieber. Nach acht Stunden ist der Tag eh gelaufen.
Ich lasse mich schlüren, die Wohnung ist nicht gerade aufgeräumt und eigentlich müsste ich heute noch zwei Briefe schreiben. Eigentlich heißt: Ich hab da heute keinen Bock mehr drauf.
Eigentlich – was für ein schleimiges Wort. Irgendetwas grollt in mir. Müsste mein Zimmer aufräumen, Briefe schreiben. Ein spontaner Mauerdurchbruch zur Zimmerumgestaltung würde mir emotional “eigentlich” besser tun.
“Eigentlich” ganz vernünftig, was ich so in der letzten Zeit gemacht habe. “Eigentlich” könnte ich stolz auf mich sein. Inzwischen kaufe ich mir Obst. Nur Micha kann nachvollziehen, was für eine dramatische Veränderung es sein muss, wenn ich anfange mir Obst zu kaufen.
In meinem früheren Leben hatte sehr viel mit Angst zu tun, sehr reale ängste. Wenn man kämpft, braucht man sich keine Gedanken über “Zufrieden sein mit sich selbst” zu machen. Vieles habe ich durch perfides Stumpfsein überwunden. Vitamine sind das sichere Zeichen, dass ich im “eigentlich” ganz normalen Leben nicht mehr an meine Strategie glaube.

Ohne Geld kann man nicht viel unternehmen

Sonntag, 29. März 2009

Dieses Wochenende war nicht so gut wie das letzte. Ohne Geld kann man leider nicht viel unternehmen, besonders wenn das Wetter nicht mitspielt. Früher bin ich mit meinen Kids in die Niederlande gefahren. Ich liebe dieses Land, dort gibt es gar nicht weit, große Spielplätze mit Restaurants, wo man billig Kaffee trinken kann. Ich habe mir dann ein gutes Buch mitgenommen und die Kinder haben gespielt, ein kleines Eis dazu und es war perfekt für uns. Das fehlt uns so sehr, denn mit dem Rollstuhl komme ich nicht weit.
Mein Sohn Moma macht für eine Woche, einen Lehrgang vom THW mit. Gott sei Dank gibt es einige Sachen, wo man nichts bezahlen muss und er hat Spaß dabei. So, ab morgen beginnt eine neue Woche und ich hoffe diese wird besser.