Kurz nach seinem 18. Geburtstag kam Herr R. mit seiner frisch bestellten Betreuerin zum Vorstellungsgespräch wegen Aufnahme in den Jakobushof. Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass er eine Menge Probleme hat. Er ist zu 60 Prozent schwer behindert, hatte eine schwierige Kindheit und Jugend, aus allen möglichen Jugendhilfemaßnahmen ist er rausgeflogen oder hatte diese selbst abgebrochen.
Herr R. hatte eine auffällige Jacke an, die farblich und vom Kunstfell her sehr nach Problembär aussah. In einer Hilfekonferenz mit Jobcenter, Kreissozialamt, Jugendamt und uns besprachen wir, ob wir ihn aufnehmen sollen oder ob nicht eine Hilfsmaßnahme des Jugendamtes in Frage kommt.
Ein Mitarbeiter des Jugendamtes sagte, Herr R. sei “austherapiert”, sie sähen keine Möglichkeit mehr für ihn, als eine Maßnahme bei uns. Somit kam er ein paar Tage später zur Aufnahme und wohnt seither in einem Einzelzimmer, in dem sich die leeren Pizzapackungen ebenso wie die verschmutzte Wäsche und anderer Unrat stapeln. Das Zimmer ist einfach völlig verräumt. Dazwischen sitzt er vor dem Fernsehgerät beispielsweise morgens gegen halb neun, wenn er schon längst im Arbeitsbereich seine Gerichtsstunden ableisten sollte.
Gestern fand eine Vernehmung der Polizei statt. Es ging um Diebstahl. Um einer weiteren Strafanzeige zu entgehen, entriss er sich der Verkäuferin in einem Drogeriemarkt, wo er gerade die DVD Batman II geklaut hatte. Schon vor der Vernehmung fragte der Beamte am Telefon, ob er so eine auffällige Felljacke habe. Natürlich war es Herr R. mit seiner Problembärjacke, die ihn zusätzlich verriet.
Herr R. braucht sehr viel Zuspruch und Begleitung, um nicht weiter abzurutschen. Immerhin hat er ein sonniges Gemüt und hat fast immer ein Lächeln im Gesicht.
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