Nun, wie versprochen, eine fast unglaubliche Begebenheit aus meiner Haftzeit: Nach einem harten Arbeitstag im ersten Winter meiner Haftzeit, kam ich also zurück in meine Einzelzelle. Mit Erschrecken stellte ich fest, dass der komplette Inhalt der Zelle Kopf stand: Zellenfilze! Bettzeug abgezogen und am Boden, Bilder meiner Kinder von der Pinnwand gerissen, Vorräte und Hygienebedarf durchwühlt und wild im Zimmer verteilt. Die extra mit Rapportschein genehmigte, zusätzliche “Pferdedecke” verschwunden. Und ein Zettel lag da, ich solle mich bei der Beamtin melden.
Nun musste ich wohl erst Mal das Chaos aufräumen, bevor ich einen Happen zu essen bekam. Ich schnaufte ein paar Mal fest durch, um meinen ärger loszuwerden, der hochkommen wollte und zog los, um bei der Beamtin vorzusprechen. Dort wurde mir erklärt, dass meine selbst auf Papier gezeichneten Yoga-übungen nun nicht mehr aufgehängt werden dürften. Geknickt akzeptiere ich diesen Wunsch und verlangte nach der zusätzlichen Decke, die mir weggenommen wurde, obwohl sie eigentlich genehmigt war. Mürrisch erklärte mir die Beamtin, dass Sie auch noch den Heizstab (zum Wassererhitzen) aus meiner Zelle entfernen könnte, wenn ich mich jetzt auch noch aufspielen würde. Ich könne die Decke bei der Beamtin der Nachtschicht erfragen.
Kuschen und frieren
Ich zog also von dannen und räumte meine Zelle wieder sauber und auf. Bei der Beamtin der Nachtschicht fragte ich, wie vereinbart, nach der Decke. Sie meinte, ich solle bei Einschluss nochmals Bescheid geben. Dies tat ich und wartete dann aber vergebens den ganzen restlichen Abend auf die Rückkehr der Beamtin mit der Zudecke.
Nach einer durchfrorenen Nacht schloss dann am Morgen genau die Beamtin die Türe auf, die mir die Decke herausgefilzt hatte. Freundlich bedankte ich mich bei ihr, weil ich die ganze Nacht frieren durfte. Sie fragte ganz unschuldig, warum ich mir die Decke nicht bei der Nachtschicht geholt hätte.
Ich ging also brav auf die Arbeit und als ich am Abend wieder auf Zelle kam, war auch der Heizstab verschwunden. Was für mich zu bedeuten hatte, dass ich während der kommenden Weihnachtsfeiertage, meinen Kaffee nur lauwarm genießen könnte. Die erbetene Decke blieb aber verschwunden. Wieder bat ich die Beamtin der Nachtschicht beim Einschluss um eine zusätzlich Decke und wieder kam keinerlei Reaktion.
Mittlerweile war ich echt stinkig. Erstens empfand ich dieses Herumfummeln in meinen persönlichen Dingen als entwürdigend. Ich hatte dazu keinen Anlass gegeben. Zweitens musste es wirklich nicht sein, dass das Bettzeug zerkrumpelt auf dem Fußboden landete und die Bilder von meinen Kindern, das Einzige was mir noch von ihnen geblieben war, auf dem feuchten Fensterbrett. Und dass, drittens, die genehmigte Decke nach zwei vollen Tagen und mindestens fünffacher Nachfrage, nicht ersetzt wurde, fand ich unter aller Sau. Also schrieb ich eine Beschwerde an den Leiter der JVA und ließ den Brief am kommenden Tag kommentarlos und offen auf meiner Pritsche liegen während ich zur Arbeit ging.
Ein zerrissener Beschwerdebrief löst das Problem
Und was nun passierte, lässt euch allen wahrscheinlich genau wie mir die Spucke wegbleiben: Als ich von der Arbeit zurückkam, stand plötzlich die besagte Beamtin im Haftraum und hielt mir die lang erwartete Decke hin. Ehrlich, ich hab mich wirklich gefreut und erst überhaupt nicht registriert, was mir widerfuhr. Sie hielt mir einen Schaschlikspieß vor die Nase und meinte dazu, den hätte sie bei meinen Schreibsachen gefunden und sie würde überlegen, ob sie Meldung machen sollte. Ich war absolut entsetzt und konnte kaum glauben, was ich da sah. Bei meinen Schreibsachen war mit absoluter Sicherheit kein Schaschlikspieß zu finden gewesen!
Nun, mir blieb nichts anderes übrig als den Beschwerdebrief zu zerreißen und offensichtlich in den Mülleimer zu legen. So ging die Angelegenheit doch noch gut aus: Der Schaschlikspieß verhinderte nicht meinen Eintrag von guter Führung während der Haft. Die besagte Beamtin verhalf mir, noch vor Weihnachten, einen eigenen Wasserkocher zu kaufen. Ab dieser Zeit behandelte sie mich mit Respekt und half mir sogar noch hin und wieder aus der Patsche.
Tags: gefängnis, soziale manieren, würde, wut









Oh Mann, was für eine Story. st wirklich nur schwer zu glauben, dass das so abgeht. Bin froh, dass ich da nicht rein muss.
Die Geschichte macht mich echt betroffen. Wie machtlos und ausgeliefert man da ist. Schrecklich. Frage mich, mit welcher Absicht die das machen?