Manchmal braucht es nicht viel für ein Schmunzeln. Man muss einfach da sein, wenn es sich zeigt. Am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. So bin ich erfreut, als ich auf meiner Route durch die Stadt endlich mal wieder Frederick treffe. Schnorrend steht er mit der Grandezza des Könners vor dem Kaufhof. Gewieft wie eh und je. Ich nähere mich ihm vorsichtig, schließlich will ich sein Geschäft nicht ruinieren.
Wir kennen uns schon viele Jahre, haben mal mehr, mal weniger Kontakt. “I can get no satisfaction” singe ich zur Begrüßung. Ein kleiner Insider unter uns, denn Frederick ist für mich das Abbild des großen Mick, sozusagen der Jagger von der Domplatte. Andere sehen in ihm den schmierigen Zottel, bepackt mit seinem Hab und Gut. Als ich frage, wie seine Verhandlung gelaufen sei, pariert er trocken mit: “Kenn’ ich dich? Ach ja, SKM, ne’?” Erst dann setzt er zum Zeichen seiner Gesprächsbereitschaft die drei großen Plastiktüten ab.
“Was ist denn nun vor ein paar Wochen aus der Diebstahl-Geschiche geworden?”
“Ach, die läppsche Nummer, haste dir aber gut gemerkt. Da hatt’ ich son’ Otto als Pflichtverteidiger, hab’ noch mal sechs Monate auf drei Jahre bekommen”.
“Und was heißt das?”
“Einmal das Wort mit x – nix. Siehste ja, ich steh’ hier, und muss gucken, das ich mein Material klar mache”.
“Und was ist mit Entgiftung oder Methadon-Programm?”
“Kannste dir auch mal ‘nen anderen Spruch einfallen lassen?”
In solchen Momenten habe ich das Gefühl, dass die Augenblicke auf der Stelle treten. Endlos. Aber Hand aufs Herz: Wer kommt schon klar mit seinem Leben? Frederick ist wieder in seinem Element und bedankt sich höflich für den Euro, der ihm gerade zugesteckt worden ist. “Brauchst du noch irgendwas von mir?”, frage ich zum Abschied. “Ja, gerne ne’ Handvoll Fünfhunderter, weil von den Hunderten habe ich schon genug”. Als ich gehe, bleibt er mit einem Schmunzeln zurück.
Tags: entgiftung








