Hatte gestern einen Anruf von einer ehemaligen Mitgefangenen: Es geht ihr echt miserabel… Sie war vergangene Woche auf einer Beerdigung und nun bekommt sie Paranoia, wenn sie alleine ist. Richtige depressive Anfälle in übelster Form! Sie muss starke Tabletten einnehmen, um die Angstanfälle irgendwie kontrollieren zu können. Wahrscheinlich kommen unverarbeitete Erlebnisse hoch, denke ich mir. Ich hab ihr lange zugehört und Mut zugesprochen. Doch wirklich helfen kann sie sich nur selbst. Ich weiß was das bedeutet!
Ich erinnere mich noch sehr gut an die Zeit im Gefängnis: An den Empfang dort, von zwei Beamtinnen, die mich abschätzend musterten. Ich musste mich ausziehen und alles was ich bei mir trug, wurde durchsucht und abgegeben. Nicht mal mein Labello durfte mit rein. Dann das volle Programm: splitterfasernackt Kniebeugen, Fußsohle zeigen, Zunge heraus, Haare nach vorn… Ich habe das als absolut entwürdigend empfunden. Dann die Kleidung: blaue Arbeitshose mit Wasserstand, Riss am Po und drei Nummern zu groß, grobe derbe Arbeitsschuhe, grün kariertes Hemd und Unterhose (Marke Oma).
Wenn einem bis dorthin nicht die Spucke wegblieb, dann spätestens nach der großen und kleinen Blechschüssel, die man zur Nahrungsaufnahme bekommt. Also ein Schnitzel passt da nicht hinein, sage ich euch. Doch das gibt es ja eh nur alle heilige Zeit. Ich erinnere mich mehr an Karotten und Erbsen zusammengematscht und als Gemüse oder Eintopf deklariert.
Die Wege im Gefängnis sind etwas, was man sich einfach nicht vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Mauern, Gitter, Stacheldraht und ewig lange trostlose Gänge, Treppenhäuser und wieder Gänge, doch wirklich alle paar Meter heißt es: anhalten und warten bis die Beamtin die Türe auf- und dann wieder zusperrt. Warten und immer wieder warten, nichts selbständig tun können und angewiesen auf andere sein. Warten bis wieder der Schlüssel klappert… Man ist nichts wert, nur irgendein Gefangener.
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